Noch ist die Erinnerung frisch
An die Zeit
In der ich kaum atmen konnte
Der Fahrtwind brachte nur etwas Kühle
In die Schwüle
Doch der Sauerstoff aus den tiefen Reserven meines eigenen Körpers nur —
Die Erinnerung ist frisch
Deshalb die Luft umso frischer
Beim wispernden Sommerregen
Knisternd nach Stürmen, Gewitter und Hagel —
Sogar etwas heller ist es draußen
Als noch vor zwei Stunden
Dabei hängen die Wolken noch immer so tief —
Weshalb ich in den letzten Tagen so oft vom Wetter schreibe?
Weil ich abends so oft in den Himmel schaue
Ins Blaue
Ins Graue
Mich in den Sonnenuntergang fallen lasse
Nicht heute
Heute versinkt die Sonne hinter den Wolken —
Doch ich lasse mich beruhigen
Vom Regenplätschern
Vom Regentropfen
Dem kühlen Wind auf meiner Haut
Der sanften Anmut eines Sommerabends —
Das Fernsehgerät bleibt stumm
Hier draußen gibt es so viel mehr zu
Hören zu
Sehen zu
Riechen zu
Fühlen
Es ist bewusste Meditation —
Der Tag fällt in sein Ende
Die Nacht kriecht behende herauf
Über all der Ruhe
Und den dahinziehenden Wolken
Denke ich plötzlich an den schwülen Nachmittag zurück
Die drückende Luft
Ich auf dem Fahrrad
Soeben der stampfenden Blechlawine entkommen
Auf einer Nebenstraße rollend —
Torsten kommt mir entgegen
Er schiebt sein Fahrrad
Das Telefon am Ohr
Er sieht fertig aus
Geschafft
Weißhaarig alt
Um so viele Jahre mehr gealtert
Seit Corona
Er sagt Ja ins Telefon
Dann bin ich auch schon an ihm vorbei —
Ich denke an ihn bis ich zu Hause bin
Jetzt denke ich wieder an ihn
Vielleicht sitzt auch er frisch geduscht
Mit noch feuchten Haaren
Auf seinem Balkon
Erfrischt sich am Anblick
An den Gerüchen des Abends —
Dort wo jetzt die Wolkendecke bricht
Schicke ich gute Wünsche hin
Für etwas Zuversicht
Und morgen ein wenig Sauerstoff in der Luft.
© Dominik Alexander / 2023