Die Lüfte ziehen durchs Gebälk. Auch dann, wenn sich die Hitze staut unter den Ziegeln. Die Luft ist dann zum Greifen nah. Sie schwebt heran, sie zischt und schwelt und braucht doch stets den Gegenspieler, der sie zum Klingen, Seufzen, Schrillen bringt.
Und hier und dort die Himmelsschwüre leuchten. Das Zittern alter Gräser illustriert das Sein. Das Feuchte will vom Himmel gleiten. Düster wird’s, und ist es doch nicht mein. Wird mir die Haut im Abendrot versengen. Die breiten Arme suchen, was nicht mehr zu finden ist. Das grüne Licht streut heimwärts seine Funken. Wer könnt’ es wagen? Sag es; sag es nicht.
Die Wasserläufe kriechen und verdunkeln Ufer. Der Rufer nach den Wellen will an Land nicht sein. Dort draußen, wo die Tiefseetiere sterben, da will auch ich jetzt hin, wenn Sterne flüstern. Das Rauschen eines sanften Teppichs. Ist es nicht magisch, wie sich eine fremde Welt mir öffnet, wenn ich zuerst die Zehen, dann die Füße, schließlich auch den Rest des Körpers ins Wasser tauche? Kein Widerstand ist hier zu spüren. Das Meer umschließt mich sanft, zieht mich in sich hinein.
Die Augen sind aus Wasser, nicht aus Glas. Vergiss das nicht. Vergiss das nicht…
Am Abend zieht der Sturm herauf. Er wirbelt Gedanken durch die trockenen Gräser. Lässt sie sinken. Nimmt sie wieder auf und trägt sie mit sich fort.
Da zieht ein Sturm herauf. Und zieht doch leise grollend nur an uns vorbei. Wir schauen nicht ins Auge. Es meidet uns. Es trollt sich spät und kehrt heut’ Nacht nicht mehr zurück.
© Dominik Alexander / 2023