Ich beginne
Schreibe einfach drauflos
Habe der Uhr fünfzehn Minuten gegeben
Und mir
Fünfzehn Minuten
Um unter diesem Druck der Zeit
Nur zu schreiben
Zu schreiben
Gedanken ohne Schranken
Was unmöglich ist
Denn der Zeitdruck sitzt im Nacken
Die hecktischen Finger fliegen über die Tastatur
Dabei fällt mir ein
Dass ich vor kurzem
Etwas gefunden habe:
Eine wunderbare PC-Version eines Zehn-Finger-Tipp-Systems
Das war jetzt laienhaft ausgedrückt
Jedenfalls ein Kurs zum Üben
Habe ihn gefunden
Direkt die erste Lektion mit Bravour gemeistert
Seitdem nicht mehr angeschaut
Nichts mehr geübt
Also müssen
Wie bisher
Meine beiden Mittelfinger ran
Die gewiss als erste die Gicht ereilen wird
Überbeanspruchung vom Zuviel
Über zu lange Zeit
Dabei habe ich heute erst wieder bemerkt
Um wieviel sanfter die Finger über die Tasten gleiten
Bereits nach dieser ersten Lektion
Morgen
Morgen werde ich ganz sicher
Die zweite Lektion meistern
Einfach als weiteren Punkt auf die
To-do-Liste des nächsten Tages
Nicht, dass ich das regelmäßig machen würde
To-do-Listen beginnen bei mir immer gleich:
Der erste Tag voller Elan
Die Liste wird runtergeschrieben
Unwichtiges, aber schönes, zuerst
Das wird dann auch zuerst abgehakt
Viel zu lange gebraucht dafür
Weil’s eben so schön war
Das wichtige dagegen steht ganz unten
Haken kann ich dann keine mehr setzen
Das wichtige muss verschoben werden
Auf den nächsten Tag
Steht nun vielleicht ganz oben
Am zweiten Tag
Doch da stehen schon früh am Morgen
Ganz andere Sorgen an
Dann ist die To-do-Liste bereits am zweiten Tag vergessen
Ist das nicht vermessen
Ständig schreiben wir unsere To-do-Listen ohne Pausen
Und so haben diese fünfzehn Minuten hier
Selbstverständlich keine Pause
Das hier ist Tippen
Tippen
Tippen
Mit beiden Mittelfingern
Aber immerhin
Etwas sanfterem Gleiten über die flachen Tasten
Ältere Menschen
Die auch heute noch auf jede Taste mit Verve einprügeln
Haben noch an der Erika ihre ersten Hebel gedrückt
Oder noch früher
An der Adler
Tasten waren früher Hebel
Gedanken flossen da direkt vom Hirn in die Finger
Und gleich wieder zurück
Gedanken entwickelten sich da noch mit dem Stift auf Papier
Denn da war einfach mehr Gleiten
Zu Beginn habe ich hier noch meine Tippfehler korrigiert
Mache ich jetzt danach
Also nur danach
Nicht jetzt
Jetzt tippe ich schon in meiner letzten Minute
Ziehe aber keine Schnute
Entschuldigung
Dieser Reim
Musste noch sein
Ein Gedicht ist zwar auch ohne Reim
Gedicht
Doch ab und zu erlaube ich mir das schon noch
Zumal
Wenn der Reim direkt vor dem Tor liegt
Und ich nur noch tippen muss
Gedankenlos
Schrankenlos —
Tatsächlich lösten sich die Schranken dann doch noch auf
Nach den fünfzehn Minuten
Die mit einem hässlichen Geräusch endeten
Und die Schranken direkt wieder
Hochgezogen haben.
© Dominik Alexander / 2023
© Benjamin Balazs (image)