Das Universum sagt mir nichts

Ein sanfter Kopfschmerz fliegt mich an, verfängt sich aber nicht in meinen Haaren. Vielen Dank, stromlinienförmige Mütze. So bleibe ich glücklicherweise auf meinem Fahrrad und werde nicht in die Elbe gespült.

Kurz nach acht Uhr ist es jetzt schon wieder dunkel. Doch heiß wie auch schon vor einem Monat. Am Elbufer könnte man einen Blick in den Sternenhimmel wagen und mit jeder verstreichenden Sekunde Hunderte mehr davon sehen.

Doch die Wärme, die jetzt im Ufergras hängt und nicht mehr so sehr in der Luft, macht mich mehr auf meinen Weg achten. Ab und zu sehe ich Schatten an den Rändern. Es riecht nach Gras und Alkohol. Da muss ich nicht nur auf mich aufpassen, sondern vor allem auf die Jugendlichen am Wegesrand.

Davon rühren auch meine Kopfschmerzen, als ich wieder zu Hause bin: vom angestrengten Aufpassen, genauen Schauen. Und natürlich vom Grasgeruch, der mich noch angestrengter in die entgegengesetzte Richtung atmen lässt.

Jetzt fällt mir ein, dass ich schon wieder aus meiner Sicht schreibe. Wie oft habe ich in den vergangenen Monaten über Buchrezensionen den Titel gelesen: Das ist etwas ganz anderes. Obwohl ich selbst beim Lesen des jeweiligen Buches dachte: Du lieber Himmel, nicht schon wieder dieses Thema! Es ist immer wieder das gleiche.

Andere Generation. Hoffentlich. Woran ich merke, dass ich nun doch nicht mehr so jung bin, wie ich mich fühle. Was aber auch wieder gut ist. Denn so nimmt man vieles leichter, nicht so schwer, ist gelassener und nicht so emotional.

Das allerdings ist eher eine Typfrage. Auf Emotionen hereinfallen, mit ihnen schwingen oder sich nicht berühren lassen, auf unterschiedlichen Humor unterschiedlich reagieren. Das sind alles Typfragen.

Emotional betrachtet nehme ich mir immer mehr vor, nicht zu hassen und das, was ich nicht mag, lieber zu ignorieren. Allen Begegnungen etwas Positives abgewinnen, auch wenn nichts Dauerhaftes daraus entsteht. Und wenn ich doch einmal hasse, wird einfach ein Gedicht draus. Dann liegt der Hass auf Papier, hasst vor sich hin, ist mir aber aus dem Sinn und kann mir nichts mehr.

Meinen viel zu süßen und heißen Kakao am Abend brauche ich heute trotzdem noch. Anders lässt sich der Kopfschmerz nicht aus meiner Mütze wringen. Und die Bohrgeräusche von schräg unten – eine halbe Stunde vor Mitternacht – machen das nicht besser. Doch mit dem Kakao im Magen kann ich später hoffentlich nicht mehr klagen und gleite selig in wohlverdienten Schlaf.


        © Dominik Alexander / 2023

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