Sonntags bei der großen Eiche

Die Schwalben versprechen mir das Blaue vom Himmel
Schicken mir jedoch Zecken
Die ich dennoch entdecke
Als ich unter meiner Lieblingseiche sitze
Und mich ins Undenken hineinschwitze
Die mir allerdings
Vier Grad weniger Hitze schenkt —

Schatten umzingelt von Vormittagsglut

Die Morgenkühle habe ich versäumt
Der Nachtschwüle wegen
Bin nur noch auf das Wetter bezogen
Sommerlethargie am längsten Tag des Jahres
Schreibe ich Halbsätze aus mir heraus
Hitzeversatzstücke
Die niemals bleiben würden
Wenn ich sie nicht notierte
Doch Musik entsteht dazu nicht —

Jeder halbgare Ansatz wird übertönt von
        Fliegengesumm
        Mückengeschwirr
        Hummelgebrumm und
        Grillengeflirr…

Da besinne ich mich auf unmittelbare Instinkte
Auf Eindrücke zu Füßen der Eiche
Ein Streichholz etwa
Abgebrannt
Das dem Baum glücklicherweise nicht schaden konnte
Vorhin noch hat eine Frau einen anderen Baum berührt
Im Wald baden
Verschafft auf andere Art einen kühlen Kopf —

Hat eigentlich jemand heute Morgen das Spiel Tunesien gegen Japan gesehen?

Den oberen Teil einer Plastiktüte hat jemand ebenfalls zu Füßen der Eiche entsorgt
Steht er im Zusammenhang mit dem Streichholz?
Die Bank am Parkweg in unmittelbarer Nähe
Aber jetzt auch in der prallen Vormittagssonne
Ist wieder unbesetzt
Zuvor saßen da noch zwei ältere Menschen
Hätte ich Ehepaar geschrieben
Hätte ich den Singular verwenden müssen
Zuvor saß da noch ein älteres Ehepaar
Aus zwei Menschen wird eine Person —

Stille gibt es hier nicht
Aber Ruhe im Vogelzwitschern
Das durchdrungen wird vom
        Joggerschlurfen
        Pfeifen der Parkeisenbahn
        Radabrieben von der viel zu nahen Straße
        Motorraddröhnen
        Stimmengewirr als Dopplereffekt…

Ich muss hier weg
In die Bewegung hinein
Um selbst zum Grundrauschen zu werden
Für andere.


        © Dominik Alexander / 2026

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