jenseits der gottlosigkeit

blind sein kann ja jeder
selbst der allergrößte streber

                unter der sonne strahlen
                kann er mit dem kiefer mahlen

ameisen nach dem leben trachten
oder bei ihr übernachten

                im stroh mit den grillen
                in winzigkleinen rillen

verstecken sich herbstzeitlose
während vorne an der ecke der arbeitslose

                immer noch nach den flaschen wühlt
                bis sich der hamster im fluss abkühlt

ist der sommer noch lang
und tief verborgen im rauchfang

                hängt der schinken für weihnachten
                kann es sein, dass sie lachten

als sie das einhorn gesehen
im garten bei den schlehen

                dort, wo es seit jahren wächst
                am meeresgrund wird er verhext

und taucht seitdem nicht wieder auf
schicksale gibt es da zuhauf

                wer möchte schon ergründen
                all die großen und kleinen sünden

die sich die kirche erlaubt
auf dass sie ihren schäfchen klaubt

                auch noch das letzte hemd vom leib
                wenn schon nicht das weib

der zölibat verwehrt es ihnen
mit seiner lust kann nur sich selbst er dienen

                oder seinem gnädigen herrn
                doch der hat das gar nicht gern

weshalb die jünger fristen
außer, sie hegen listen

                gegen die gebote
                doch diese schote

und sogar der kelch
geht heute an den elch.


        © Dominik Alexander / 2023
        © Gerd Altmann (image)

4 Comments Add yours

  1. Sehr raffiniert, witzig und, wie gewohnt, originell auf hohem Niveau!

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    1. Und wie immer: vielen Dank, lieber Friedrich! Außerdem war es aus der Not heraus geboren. Kurz vor Mitternacht hatte ich noch keine Idee, also musste ich mal wieder aufs Freewriting zurückgreifen, was bei mir häufig witzig wird. Weiß auch nicht warum. Vielleicht, weil man da aus dem Moment heraus schreibt und nicht so viel nachdenkt.

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      1. Das ist Daoismus 😊 Nicht über den Umweg Kopf, direkt vom Herzen aufs Papier. Ist beim Malen natürlich genau so. LG f

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        1. Ja, ich denke, ich mag den Daoismus immer mehr. Ist beim Schreiben ja ähnlich. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl und Denken, mit Stift auf Papier zu schreiben, als Buchstaben in eine Tastatur zu tippen. Da fehlt auch das Unmittelbare.

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