Miracles Make Me Wonder

MMMW

Englischer Titel; deutscher Text? Hier jetzt auch? Das ist doch für Leute, die ihrem Geschreibe einen weltmännischen Anstrich verpassen wollen, damit der Text nicht so konservativ und abgedroschen wirkt. Eine internationale Haube, die meist sogar in der Übersetzung keinerlei Verknüpfung zum Text bietet.

Englische Titel sind im Grunde Clickbaits, nur in gedruckter Form – also vielmehr: Blätterköder. Klingt doof und ist bescheuert. Hilft mir heute Nacht aber, meinen Streak zu halten. Übrigens füge ich hier gerade lose noch ein paar englische Worte ein, damit es noch doofer und noch bescheuerter wird. Damit es am Ende vielleicht doch ein ganz klein wenig lustig gewesen sein wird.

Futur Zwei ist meine liebste Zeitform. Die abgeschlossene Zukunft. Etwas, das noch gar nicht passiert ist, wird als abgeschlossen beschrieben. Im Grunde ein Paradoxon, mit dem ich euch gerne in einen durchwachten Schlaf schicke. Noch ein Paradoxon. Hihi.

Kann auch sein, dass ich ein wenig überdreht bin. Mein dritter Halbliter Earl Grey des Tages steht jedoch noch weitestgehend unangetastet auf dem Fensterbrett. Es muss etwas anderes sein, und ich weiß auch was. Mein noch geheimes September-Projekt, mit dem ich aktuell drei Tage im Rückstand bin. Aber morgen fahre ich ein bisschen mit dem Zug rum. Dann werde ich es zwar nicht geschafft haben, im Zug etwas geschrieben zu haben, doch bestimmt (unbedingt!) in der fremderen Umgebung als hier.

Ablenkungsfrei in den Schreibrausch
In Bausch und Bogen versuchen
Gerade nicht unterzugehen.

WWWM

Wonders would want more. Ein anderer Wortsinn fällt mir zu dem Spiegelpalindromakronym auf die Schnelle gerade nicht ein. Ist mir aber auch egal, schon wegen der genialen Wortneuschöpfung, die zumindest mich heute gut schlafen lassen wird.

Und was nun die Wunder betrifft, sag ich nur: twenty times lucky. Vielleicht. Sollte ich morgen einen gewissen Telefonanruf bekommen. Oder eine E-Mail. Oder beides. Eventuell werde ich morgen Abend so aufgedreht sein, dass ich doch noch den Text für einen stadtinternen Wettbewerb schreibe und losschicke.

Bevor ich mit diesem Text begonnen hatte, hatte ich etwas über Inspiration schreiben wollen. Das war übrigens ein Plusquamperfekt Irrealis: Nicht eingetroffene, abgeschlossene Möglichkeit in der Vergangenheit. Ich kann einfach nicht verstehen, wenn Menschen Grammatik furchtbar finden. Grammatik ist so etwas durch und durch schönes. Wenn man sich damit beschäftigt. Doch jeder, der spricht, beschäftigt sich mit Grammatik. Egal, ob richtig oder falsch, aber da ist sie in jedem Fall (das ist willentlich doppeldeutig zu verstehen!).

Inspiration jedenfalls verspreche ich mir von morgen: in einer nicht gänzlich unbekannten, aber durchaus anderen, nicht alltäglichen Umgebung. Eine andere Stadt. Eindrücke, die noch keine sind und meist nur Flügelschläge bleiben. In jedem Fall suche ich mir selbst aus, wo mein Blick für einen Moment haften bleiben soll und darf.

Bei Instagram oder TikTok inspiriert mich gar nichts. Trotz oder gerade wegen überbordender Eindrücke. Es ist einfach zu viel, was da auf die Augen einströmt. Zu viel, und nichts davon bleibt hängen. Alles rauscht einfach nur voebei. Ein einziger großer Datenbrei, der über kurz oder lang zum Sumpf der menschlichen Intelligenz wird. Zum Treibsand, in dem die Gehirne austrocknen.

Soviel erst mal zu MMMW und WWWM.


        © Dominik Alexander / 2023
        © Susanne Jutzeler (image)

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