Draußen ist es schwül
Noch lange nicht kühl
Doch ich wage mich nach draußen
Balkon in der vierten Etage
Wo die Schwalben zu Hause sind
Sie zeigen mir ihre Kamikazekunst
Steuern meinen Balkon an
Lautlos zischen sie an mir vorbei
Richtungswechsel im letzten Augenblick
Das Sonar funktioniert
Muss trotzdem noch ausprobiert werden
Sie scheinen Spaß daran zu haben
Wie weit kann ich gehen
Kann ich dann noch abdrehen
Wenn es fast schon zu spät ist
Fast zu spät gibt es nicht
Für die kleinen schwarzen Punkte
Die größer werden
Langsam
Dann immer schneller
Immer größer
Und zisch
Fliegen ein zwei vier acht Schwalben
An mir vorbei
Ein willkommener Flugwind
Der auf mich niedergeht
Schwül und frisch in gleichmäßigem Schweben
Die Schwalben weben mir ein Luftnetz
Luftiges Schwalbennetz über meinem Balkon
Sie steuern aus den Wolken
Drehen Pirouetten
Üben Sturzflüge
Sammeln sich zu kleinen Schwärmen
Brechen auseinander wie ein schwarzes Feuerwerk
Kurz sind sie ruhig
Als müssten sie sich konzentrieren
Und jauchzen plötzlich los
Wie kleine Kinder im Springbrunnen
Bei brüllender Sommerhitze
Ich jedoch sitze
Beobachte
Wundere mich
Wie die kleinen Schwalben
Lustvoll die Gefahr suchen
Spüren sie
Dass es ganz schnell zu Ende gehen könnte
Ihr Leben ausgehaucht an der Betonwand
An einer scharfen Balkonkante
Der eingebaute Instinkt funktioniert
Mutter Schwalbe fliegt mit
Vielleicht schreiht nur sie
Ruft rechts links hoch runter
Auch Angstrufe könnten es sein
Von einer Mutter
Die vergeblich versucht
Die übermütigen Kleinen zu zügeln
Im Flug geht das schlecht
Und lernen müssen sie die Manöver
Haken schlagen wie die Hasen am Boden
Wie es jede Beute lernen muss
Ausweichen können
Ausdauernd widerstehen
Die Krähen lauern am Boden
Schlagen ihre Schnäbel in die kühle Erde
Beobachten mit einem Auge die dahinjagenden Schwalben
Lassen sie toben
Und schlagen im Zwielicht zu.
© Dominik Alexander / 2023