Eine Dattel ist wie ein Toffifee

Wir unterbrechen die Arbeit
Nicht etwa fürs Fressen
Sondern um uns instand zu setzen

                Gestern Abend noch beherzt zur Dattel gegriffen
                Die weich war und zäh wie ein Toffifee

Ich wurde bestraft
Dass ich die Arbeit unterbrach
Denn ein Zahn ebenso
Beziehungsweise dessen Füllung
Brach und grub kleine Füllungsteile
Ins weiche Fleisch der Dattel

                Nichts tat weh
                Doch das Loch war da
                Und damit das Tor zur Hölle weit geöffnet

Jedes Loch im Zahn ist ein Höllenschlund
Aus dem kleine schwarze hinkende Kreaturen kriechen
Wenn man zu spät reagiert
Wenn man das Tor nicht stopft
Die Tür nicht schließt
Das Loch nicht verklebt
Verkleistert
Zubetoniert

Verdammte Dattel!

Die du wie ein leckeres Toffifee
Mir nicht nur den Zahn ruiniert hast
Sondern auch die Nacht
Und den folgenden Tag

                                Dabei hatte ich vorher nur eine Kürbissuppe
                                Keine feste Nahrung
                                Keine süße Weihnachtsleckerei
                                Das hätte ich verstanden

Stunden später sitze ich mit lädierter Zunge
Und neuer Halbkrone
In meiner Wohnung
Löffle die Kürbissuppe vom Vortag
Lisple ab und zu vor mich hin:

Verdammte Dattel!

Weitere zweihundertfünfzig Euro sind dahin
Geworfen in den Höllenschlund
An dessen tiefem Abgrund garantiert
Dattelpalmen wachsen.


        © Dominik Alexander / 2023
        © Engin Akyurt (image)

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