Ist es denn vermessen
Wenn ich etwas selbstvergessen
An der Ehre eines Menschen rühre
Und dabei kaum Argwohn spüre
Wenn ich jemanden verletze
Und als Dank dafür noch über ihn hetze
Wie kann ich nur so egoistisch sein
So nichtig und klein —
Das beste ist an diesem Fall
Und jetzt kommt der große Knall:
Ich bin gar nicht der, der spricht
Ich bin der andere kleine Wicht
Der all das nur eträgt
Der an dem Ast sägt
Auf dem er sitzt
Und dabei nur stets das eigene Gemüt erhitzt
Der trotz allem gleichgültig schaut
Doch an dem Heruntergewürgten tagelang verdaut
Der Wut nicht in sich spürt
Und andere deshalb nicht berührt
In seinem Wunsch respektiert zu sein
Etwas gut zu können und zu sagen: das ist mein
Kein Gegenüber, das das belächelt
Und das, was mir wichtig ist, mit einer Handbewegung fortfächelt —
Jemanden ernst zu nehmen und an anderer Stelle mit ihm lachen
Sind keine schizophrenen Sachen
Sie spiegeln das Leben
Reflektieren Nehmen und Geben
Sie sind das Fundament
Über dem ewig blauen Firmament
Der ansatzlosen Vorurteile
Die oft gären schon eine ganze Weile
Sie pressen sich an dich heran
Bis du plötzlich nicht mehr kannst, sodann
Löst sich ein imaginärer Schuss
Der dich komplett umhaut im Verdruss
Der in dich dringt und dort verbleibt
An deinen Eingeweiden reibt —
Bis sich der Krampf dann wieder löst
Ist dein Gegenüber schon weggedöst
Es liegt benommen in der Ecke
Da schnarcht er nun, der große Recke
Und weil das jetzt alles viel zu negativ klang
Fangen wir einfach noch mal von vorne an.
© Dominik Alexander / 2024