Die Zeit ist reif

Noch muss das alte Jahr zu Ende gehen
Die Feuerwerkskörper knallen bereits seit Tagen
Künden an
Scharren mit den Hufen
Jeder Knall ein höherer Gang
Der linke Fuß ruht noch auf dem Bremspedal
Doch die Augen sind fest an den Horizont geheftet
Bald geht es los
Denn die Zeit ist reif
Für den Neustart
Wie immer am ersten Januar
Nichts unterscheidet ihn von den vorigen Tagen
Nichts von denen
Die nach ihm folgen
Doch irgendwo müssen wir die rote Linie schließlich ziehen
An irgendeinem Punkt wird jede Grenze überschritten
Wird jedes Gesetz übertreten
Wird das Gebot der Mehrheit verletzt
Dann kann jemand sagen:
Nun gut, das war jetzt sein erstes Mal
Doch ein anderer wirft ein
Wie viele erste Male soll es denn geben
Bis wir das Gesetz zum ersten Mal durchsetzen
Irgendwann ist die Zeit einfach mal reif dafür
Dass das Gesetz Recht ist
Und die, die Recht brechen, Konsequenzen spüren
Vielleicht wirft ein Dritter ein
Gesetze sind doch aber lediglich Gebote
Die aus sich selbst heraus wirken
Die niemand willentlich verletzt
Wer es dennoch tut
Hat sie einfach nicht gekannt
Hat nicht gewusst
Dass er gegen das Gesetz verstößt
Das auch nur Menschen einer bestimmten Zeit gesetzt haben
Vielleicht für die Ewigkeit gedacht
Und doch nicht ewig gültig
Wenn sich die politischen Verhältnisse drehen
Wird Recht zu Unrecht
Und Unrecht plötzlich das Gebot der Zeit
Dann steht ein Vierter ratlos vor den Scherben des Gestern
Will zurückschauen
Doch da ist nichts mehr
Und vor ihm ist alles so fremd und unbekannt
Dass er vor sich am liebsten eine Mauer bauen will
Um dann immer nur an ihr
Nach links oder nach rechts entlang zu gehen
In der Mauer Schutz
Ohne dass er die Sonne jemals mehr sieht
Und erst recht nicht seinen eigenen Schatten.


        © Dominik Alexander / 2024
        © Pexels (image)

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