Das Blaue vom Himmel

Das Blaue des Himmels senkt sich herab
Auf die Mauern und Menschen
Auf das Massengrab —

Jeder Stein erzählt hier seine Geschichte
Bereits durch das Tor zu gehen fällt unheimlich schwer
Wir haben heute die Wahl
Sie hatten sie damals nicht
Jedem das seine in großen Lettern
Wie zynisch kann ein Mensch sein
Der sich das ausgedacht —

Ganz oben auf dem Ettersberg stehen
Jedesmal pfeift der Wind
Lässt Türen knarren
Die eine Atmosphäre schaffen
In der man kaum atmen kann
Erst langsam kehrt die Sprache zurück
Wer allein geht
Kann kaum Gedanken fassen
Es tut gut sie zu teilen
Was ausgesprochen ist
Ist aus dem Kopf
Wenigstens das
Doch niemals mehr aus dem Sinn —

Wer kann noch an etwas anderes glauben
Der das hier gesehen
Ein Buchenwald auf dem Ettersberg
So idyllisch
So schrecklich schön
Wer hier an das Blaue vom Himmel glaubt
Wer nur die Sonne sieht
Wer sich Wahrheit verbaut
Der lebt stetig im Gestern
Das es niemals gegeben
Und erfindet eine Zukunft
Ohne buntes Leben —

Selbst Schulklassen finden ihr Schweigen
Ihre Leichtigkeit liegt jenseits des Stacheldrahts
Zeichnungen von geschundenen Seelen
Illustrieren das Grauen
Bauen die Mauern auf
Die als Fundamente nur die Gräber markieren
Wo heute rote Nelken liegen
Liegt die Asche ihrer Körper verstreut —

Wir gehen durch das Tor zurück ins Leben
Doch das Quietschen der Türen folgt in unsere Träume
Die Zeichnungen haben sich eingebrannt
Die Namen
Die namenlosen Schuhe
In denen lange niemand gerannt —

Das Blaue des Himmels darf nicht siegen
Die Erinnerung bleibt
In diesem Massengrab liegen.


        © Dominik Alexander / 2025

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