Des Menschen Kern

Was hat es mit des Menschen Kern
Dass er sich stets verstellt
Und jedem Menschen eine andre Maske zeigt
Ganz so wie er erscheinen will
Dem einen professionell und scheinbar ungerührt
Dem andern von einer schier unglaublich zarten und berührten Seite
Unsicher gar dem Dritten
Ungehalten, forsch und zynisch dem
Der nichts andres zu verdienen scheint —

Ist das des Pudels Kern
Von dem Goethe einst geschrieben
Dass der eine Mensch
Der alle diese Masken einem andern vom Gesichte reißen kann
Am Ende gar nichts mehr erkennt
Als bloße Hülle ohne Seele
Und dass der Freund
Als den er einst erkannt
Ihm nichts mehr sagen kann
Ohne dass er jedes seiner Worte hinterfragen muss —

Verbirgt sich unter all den Masken die einzig wahre
Ist es die, von der er sagt, dass sie es sei
Wenn sie gemeinsam über scheinbar einigendes debattieren
Oder sind es gerade diese Worte
Die im Rückblick das Gegenteil bedeuten —

Im Geiste wandeln die grotesken Masken
Sich zu einer hässlich Fratze
Wo ist hier nur der Kern
Fragt sich im Dämmerlicht
Der Geist
Der stets das Gute will
Doch stets das Böse …

Still
Du Geist der Masken
Am Ende geht ein jeder durch die Welt
Als Schattenwesen
Ob es dem eignen Geist gefällt
Oder…


        © Dominik Alexander / 2026

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