Marienkäfer an der Wand

Ich kann dich sehen, mein sechsbeiniger Freund mit den schwarzen Punkten auf rotem Panzer. Hast dich in meine grünen vier Wände verirrt, schwirrst jedoch nicht mehr um die warm leuchtende Glühlampe. Hockst aber doch immer wieder mit Sicherheitsabstand im Grellen. So, als wäre draußen bereits Herbst und hier drin ein behaglicher Rückzugsort zum garstigen Draußen.

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tanzt
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einen
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Wenn du mich sehen könntest… Siehst du mich? Aus deinen Augen, die mir immer so flächig erscheinen, so als wären sie nur aufgemalt. Ich war heute nämlich bummeln und fühle mich… bankrott. Das Gefühlsleben um mich herum ist scheinbar das weltbeendende Chaos. Doch ich bin das Auge. Der ruhende Sturm. Zieht dich das vielleicht an?

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Unterdessen ist es draußen dunkel geworden. Ich sehe dich nicht mehr. Höre dich nicht mehr. Bist du noch bei mir? Hat dich das grelle Licht in eine dunkle Ecke vertrieben? Ich fürchte, dass du morgen auf deinem Panzer auf meinem Fensterbrett liegen wirst. So wie viele vor dir. Zeig dich doch noch mal, Marienkäfer, dass ich dich ins Freie heben kann!

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Wer sieht das Schöne bei Nacht? Wer kann durch seine Finger schauen, wenn er sich vor dem Dunkel versteckt? Hast du Augenlider, kleiner Marienkäfer? Oder bist du so lange wach, bis du tot auf meinem Fensterbrett liegst? Ich möchte dir gerne helfen. Doch du kannst dir nicht helfen lassen. Dafür sind wir einfach zu verschieden.


        © Dominik Alexander / 2023
        © Erik Tanghe (image)

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