Dieser Abend fühlt sich so an, als wäre es bereits nach Mitternacht. Dabei ist es erst kurz nach zehn. Dennoch weiß ich schon jetzt, dass ich Mitternacht bewusst erleben werde. Und das Danach. Hoffentlich nicht das Sehr-lange-danach.
Ich habe noch zu tun. Auch im Sinne von Zutun. Etwas Hinzufügen. Wörter an einen immerhin bereits begonnenen Text. Viel mehr Wörter an einen noch nicht begonnenen. Wahrscheinlich werde ich für den zweiten ChatGPT benutzen. Zuerst zum Brainstormen, für die Struktur und eine Ideensammlung. Dann lasse ich Zwischenüberschriften entstehen. Dann die Texte dazu. Und am Ende füge ich noch etwas Menschlichkeit hinzu.
Sollte ich mich danach schlecht fühlen? Ist es Betrug, wenn ich für diesen Text ein Almosen erhalte? Ab wie viel Gegenleistung ist es Betrug? Ich rede mir ein oder vielmehr gut zu, dass ich dennoch eine Leistung erbringe: Ich weiß, wie ich mit ChatGPT umgehen muss, welche Fragen ich stelle, mit welchen Informationen ich das Programm (um den Terminus künstliche Intelligenz zu vermeiden) füttere, um halbwegs brauchbare, bearbeitbare Textversatzstücke zu erhalten. In Sekundenschnelle.
Das ist doch auch eine Art Können. Oder belüge ich mich da? Angesichts der fortgeschrittenen Zeit beantworte ich mir selbst diese Frage mit: Nein! Bin irgendwie schon etwas besserer Laune, habe etwas mehr Enthusiasmus und Zutrauen in mich, die Texte wirklich noch zu schaffen. Nicht mehr heute. Aber vielleicht bis zur zweiten Stunde des Abgabetages.
Ich drücke mir mal selbst die Daumen. Weil es bereits zu spät ist, als dass ich jemanden darum bitten könnte, es für mich zu tun.
© Dominik Alexander / 2023
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