Kolumne 666: Gesichert extrem sächsi

Über die AfD schreibe ich so gut wie nie. Deute ab und zu an. Verliere mich jedoch nicht in Tiraden, da jede Erwähnung dieser Nazi-Partei zusätzliche Werbung ist. Hin und wieder erlaube ich mir jedoch eine Erregung, um es mit Thomas Bernhard zu sagen. Diesmal, weil das, was ich am vergangenen Samstag gesehen habe, eben nicht unerwähnt bleiben darf.

Nein, Nazis sehnen sich nicht nach Liebe, wie es Die Ärzte einst sangen. Im Gegenteil finden sie es geil, verhasst zu sein und machen sich über die Empörung der Anderen gleichzeitig lustig. Das ist die Erkenntnis, die ich aus dem Aufkleber ziehe, mit dem diese Kolumne 666 illustriert ist, original auffindbar an der Rückseite von Elbkilometerschild 76, sechs Kilometer vor Meißen flussabwärts.

Sehr auffällig ist es nicht. Wie auch die meisten AfD-Werbeplakate vor Wahlen klebt es erhöht, um es nicht so leicht entfernen zu können. Das „Gesichert“ präsentiert sich in einem mittlerweile auch schon ausgelutschten Kalligraphie-Schreibschrift-Font; die übrigen beiden Worte des plakativen Wortspiels „extrem sächsi“ kommen in einer klaren serifenlosen Kursive daher. Betont wird der stolze Slogan mit einem Ausrufezeichen. Alles zusammen verweist auf die Tatsache, dass die sächsische AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft ist und entsprechend behandelt werden darf.

Dagegen sein als politisches Programm

Nazis, und das sind für mich aktuell alle Typen, die irgendwas mit der AfD zu tun haben, egal ob sie Mitglied der Partei sind, ihr nahestehen oder sie wählen, feiern es, in der Öffentlichkeit zu stehen. Presse ist super, denn so generiert man Aufmerksamkeit. Negative Presse ist noch geiler, denn scheinbar befeuern die Algorithmen des Internets negative Emotionen. Auf sozialen Plattformen noch mal mehr, weil es in diesem begrenzten Raum vor allem darum geht, neue Tweets, Post, Kolumnen et cetera und daraufhin Reaktionen zu generieren.

Nichts scheint besser dafür geeignet zu sein als Behauptungen, Gerüchte, Verschwörungserzählungen und plakative Lügen. Hier muss man schließlich nichts wissen, Argumente vorbringen oder gar Pro und Contra abwägen. Einfach mit Müll provozieren, sich über den Aufschrei freuen, vielleicht sogar eine Ersterwähnung in den Tagesthemen und schließlich bei einer Talkshow zu bester Sendezeit das Unschuldslamm spielen, das falsch verstanden wurde.

Die neueste Farce ist da nur der Gerichtsprozess zur Einstufung der AfD als rechtsextremistischer Verdachtsfall. Die AfD ist nicht etwa erbost über die Einstufung. Wie der Aufkleber zeigt, ist man sogar stolz darauf. Was sie mit dem Verfahren will, ist mal wieder Aufmerksamkeit. Sonst nichts. Das zeigt sich schon daran, dass der Prozess im Grunde eine klare Verwaltungsangelegenheit ist und mit zwei Verhandlungstagen angesetzt war. Weil die AfD und ihre Anwälte jedoch so viele Gegenanträge gestellt haben, musste bereits vertagt werden. Eine normale Partei würde diese Angelegenheit so schnell wie möglich aus der Welt schaffen wollen. Die AfD dagegen will nur so lange wie möglich den Staat diskreditieren, vor allem aber die Demokratie, die aus ihrer Sicht gar nicht mehr existiert, aushöhlen und der Lächerlichkeit preisgeben.

Wofür stehen die anderen Parteien?

Was also stellt man dem entgegen? Muss man nicht gegen die AfD vorgehen und ihren Behauptungen richtige Argumente entgegensetzen?

Nein! Gegen etwas zu sein ist genauso armselig wie Lügen zu verbreiten. Vor allem, wenn man gar nicht mehr dazu kommt, den Menschen nahezubringen, wofür man eigentlich selbst steht. Die etablierten Parteien hecheln doch seit Jahren allem hinterher, was die AfD herausschreit, behauptet, herbei fantasiert. Wie dressierte Äffchen springen die demokratischen Parteien, Zeitungen und Fernsehsender auf jeden blauen Zug auf, um sich bei voller Fahrt die Böschung hinunter schubsen zu lassen.

Was setzt man dem entgegen? Das, was ich nach dieser Kolumne 666 auch wieder mache: Ignoranz denen gegenüber einerseits, eigene Inhalte und auf die Menschen zugehen andererseits. Einfach wieder für die Menschen da sein; sich nicht gegen die AfD aufreiben. Positives nach außen tragen, aber nicht so Sachen wie ein süßes Tier in die Kamera halten oder einen Baum umarmen.

Zuhören, die Menschen reden lassen und ihnen nicht erzählen, was angeblich gut für sie ist. Sie um Gottes Willen nicht bevormunden und wie dressierte Äffchen behandeln. Eine Woche mal nicht über die AfD berichten: Schaffen wir das?


        © Dominik Alexander / 2024


Kolumne 666 besteht aus eben so vielen Worten. Dabei werden zwei Themen miteinander verwoben, die zuweilen kaum etwas miteinander zu tun haben. Ein Thema ist aus dem Pool an Schlagzeilen der vergangenen letzten Tage entnommen; das andere Thema entstammt meiner eigenen Biographie. Kolumne 666 ist ein serienhafter Kommentar zum Zeitgeschehen und soll zum Nachdenken mit anschließender Diskussion anregen; entweder hier oder im eigenen Bekanntenkreis.

Thanks for sharing your thoughts!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.