die schmale sichel des mondes ist heute nacht meine gedankenschaukel
da wir
wenn wir in den himmel schauen
zweidimensional denken
sehen wir hinter der sichel eine scheibe
keine kugel
eine kugelgestalt ist nur unser kopf
mein kopf
den ich betasten kann
umkreisen
an den schläfen den kopfschmerz wegdrücken
die haare nach oben blasen
sie hinters ohr klemmen
und glauben
sie blieben dort
auch dieser glaube ist zweidimensional —
ich glaube
also bin ich nicht —
die schmale sichel des mondes schickt nur widerwillig licht
in die köpfe
von denen wir glauben
dass sie rund sind
glauben zu wissen
dass die helle sichel zum mond gehört
wir vermuten es
an der idee des dunklen schattens in ihrer nähe
der mond
ist nur im deutschen männlich —
die schmale sichel des mondes wandert unaufhörlich weiter
wie ich unaufhörlich stehenbleibe
das licht im wohnzimmer gelöscht
beobachte ich die helle sichel
die hell-dunkle scheibe
den schatten meiner gedanken —
ich weiß
also kann ich nicht sein —
wenn ich wir schreibe
meine ich immer nur mich
wer wir schreibt
schwelgt in unsicherheit
über das eigene wollen
über das eigene selbst
will dazugehören
und weiß doch:
er ist nur er selbst
suggeriert mit dem wir eine gemeinschaft
die es nicht gibt —
der mond lacht
hält sich den schmalen bauch
und stürzt ins offene meer.
© Dominik Alexander / 2024
© Shawn Suttle (image)