Für den Hauch eines Moments kann ich in deinen Augen Zuversicht erkennen, nicht nur Hoffnung. Hoffnung ist einseitig, gibt nie etwas zurück, vereinnahmt nur den Glauben des Fußvolks, ohne etwas zu bewirken. Zuversicht findet statt, ist ein Band zwischen zwei Augenpaaren, ist die Stärke, die keine Waffen, keine Muskeln, keine Sehnen, kein Fleisch, keine Knochen, keinen Kampf braucht, um wirken zu können.
Hoffnung ist der Sarkasmus, wenn Zuversicht die Ironie ist. Hoffnung ist doch lange schon nur eine abgedroschene Floskel, das letzte Wort, das entweder als weißes Handtuch in den Ring geworfen oder als Fehdehandschuh ins Gesicht geschleudert wird. Wer Hoffnung vorgibt, hat seine Sprache aufgegeben, hat alle Wörter aus sich rausgeschrien, geschrieben. Wer Hoffnung braucht, hat längst nichts anderes mehr.
Ich sehe dich an, sage ein paar Worte. Ich bin ja nur ein Mensch unter vielen an diesem Abend. Ich huste und schniefe. Mein Atem riecht nach Ricola und Pfefferminztee. Vor mir lallt jemand: Ich kenne dich. Kennst du mich? Er meint ihn, nicht mich. Wir schauen uns wieder an. Unser drittes Sehen heute, doch in so einer Meute ist es kein Erkennen. Das maße ich mir nicht an. Es ist traurig, wenn zwei Menschen der Hass verbindet, sie den Sarkasmus teilen, weil es sonst nichts mehr gibt, das ihnen geblieben ist.
Ich teile eine Tatsache und einen Gedanken, dann eine Verbindung. Wie heißt du? Ich sage es. Er schreibt. Er sagt etwas; ich sage etwas. Ich schaue ihn an; er schaut mich an. Mehr braucht es nicht als diesen Blick. Erkennen ohne Worte. Ein Blick, den die meisten Menschen nicht verstehen, weil er tiefer geht als Worte. Es ist ein Blick, mit dem kein Roman mithalten kann, denn in Worte ist er nicht zu fassen. Die Worte nicht kennen und sie trotzdem sehen. Die Worte nicht sprechen und sie trotzdem hören. In einer Sprache, die es außerhalb des Kopfes nicht gibt.
Dieser Text ist nur für mich und alle anderen Menschen, die einen kleinen Moment der Zuversicht brauchen, nicht, um wieder Hoffnung zu schöpfen. Hoffnung stirbt doch eh ganz am Schluss. Doch Zuversicht generiert, die in einem Blick ruht, eine Welt öffnet, die erkennen lässt: Dort ist vielleicht das Ende, doch es ist das Ende nur eines Weges. Schau nur genau hin, dann erkennst du, dass es noch so viele andere Wege gibt, deren Ende gar nicht absehbar ist.
Das wichtigste jedoch, was in diesem Blick steckt, ist nicht das Dahinter, das Verborgene, die unbekannten Worte. Das wichtigste an diesem Blick ist, dass es ihn gibt, heute gab und wieder geben wird. Wir brauchen den Sarkasmus, wenn uns eigentlich zum heulen ist, damit wir an den Umständen nicht verzweifeln. Wir werden vielleicht die Ironie brauchen, um die Wahrheit sagen zu können, so dass diejenigen, die Ironie und Sarkasmus nicht verstehen, sie nicht erkennen.
© Dominik Alexander / 2024
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