Wir sitzen zwischen Menschen
Schreiben nur deshalb “wir”
Weil “wir” nicht zu egoistisch scheinen wollen
Feudalistisch ist besser
Weil es noch nicht so verstanden wird
Wir sagen euch
Es wird eine blaue Dürre kommen
Klingt auch religiös
Ganz sicher pompös
Und etwas tendenziös
Das Wehgeschrei ist seit Monaten das gleiche
Da tut etwas Erhabenheit gut
Lüpfen wir ab und zu auch noch den Hut
Gönnerhaft nach rechts und links
Kriegen wir von allen Seiten aufs Maul
Also von beiden Seiten
Es sind nicht mehr als zwei
Wir sollten nicht übertreiben
Das Bush-Credo hält seit Zweitausendundeins
Unbekümmert am dualistischen Weltschmerz fest
Gut und Böse
The axis of evil
Um es gutbürgerlich abgehangen und auch latent intellektuell zu sagen
Für und wider
Pro und Contra
Schön wär’s
Mittlerweile muss es heißen:
Pro aut contra
Wenn es das eine gibt
Darf das andere nicht sein
Das gleiche gilt umgekehrt
Unter einem Völkermord machen wir’s nicht mehr
Irgendwer wird immer der stärkere sein
Irgendwer der schwächere
Doch wer bestimmt
Wer der bessere ist
Ist es der
der am meisten und am schnellsten alles kurz und klein schlägt?
Ist es der
der am meisten und am längsten aushält und erträgt?
Währenddessen könnte ich ein Lied singen
Vom kleinen Trompeter
Von einem kleinen bisschen Frieden
Von Sieg
Vom Heil —
Neunzehnhundertundneunzig hatten wir doch schon
Das Ende der Geschichte erreicht
Und wie ein Phoenix aus der Asche stiegen
Putin
Trump
Orban
Kim
Assad
Ach
Setzt die Liste doch gerne selbst fort
Liste der Tyrannen der heutigen Zeit
Sammelt sie ein
Sperrt sie in eine Arena
Lasst sie gegeneinander kämpfen
Und uns auf sie wetten
Oder gegen sie
Pro und Contra
Vielleicht finden wir so wieder zusammen.
© Dominik Alexander / 2024
© Julius H. (image)