humor ist in wahrheit mein trost und halt

und wenn ich doch das licht seh in der nacht
wie um uns her die zuversicht entfacht
wenige gedanken sind es nur
dennoch scheint es gegen die natur
der stille und der einsamkeit zu sein
schlag nicht alles kurz und klein
wenn du schon das werkzeug dazu hast
säg doch nicht am eigenen ast
hier und da rolln kiesel über wege
wie stolpersteine, doch es fehlen dir belege
dass der trost dich schickt
und ins himmelreich entrückt
lasst uns wieder brücken bauen
und nicht gräben zwischen häuser hauen
wenn wir stege nur verroten lassen
beginnen nachbarn sich zu hassen
verlassen lang begangne pfade
wohlwollend könnte ich sagen: schade
wenn der zustand nicht so humorlos wär
fiele alles nicht so unsagbar schwer
haben wir das leben noch selbst in der hand
warten wir auf das paket ohne rückversand
wieso tut nur jeder so betroffen
waren sie denn alle besoffen
in den vergangnen vierzig jahren
versammeln sich nun in scharen
sie staunen über kunst am bau
von pfusch redet hier keine sau
die ddr hats mal wieder verbrochen
kein mensch kam zuvor angekrochen
um zu sagen: die hält nicht mehr lange
wenn ich die struktur so sehe, wird mir bange
trost und halt spendet die brücke nicht mehr
doch die menschen hier stört das nicht sehr
sie lieben es zu jammern und zu klagen
ihre wut aus dem bauch heraus zu sagen
doch schließlich geht der tag zur neige
und alle sind sie wieder feige.


        © Dominik Alexander / 2024
        © Robert Michael / dpa (image)

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