Der Schutzmantel der Zeit legt sich langsam um mich und schnürt mir die Kehle zu. Vieles von dem was ist, lässt sich, bei Tage betrachtet, in den nächsten Abend fallen. Es breitet sich aus – alles breitet sich aus. Dehnt sich in die Zeit hinein und treibt mit ihr fort.
Überall auf meinem Weg liegen kleine bunte Steine, die sich beim Gehen in meinen Schuhen sammeln und mir das Fortkommen erschweren. Die Kiesel sind klein. Man sieht sie kaum. Doch sie ballen sich, rotten sich zusammen unter meinen Füßen. Bis ich nur noch Nebel sehe und in ihm stehe.
Wo sind die Worte hin, die ich nicht finde? Wenn hier und da ein Semikolon fehlt, doch wenigstens der Punkt gesetzt ist, fällt das Gebäude nicht in sich zusammen, sackt nicht weg, bricht nicht ein. Der Glanz der Liebe sammelt sich hinter meinen Augen und ist doch eingesperrt.
Aus diesem Gefängnis komme ich nicht wieder heraus. Wir sitzen alle auf unserem Platz. Eingeübtes Ritual. Jeder setzt sich dorthin, wo er zum ersten Mal platzgenommen hat. Alle Augen starren nach vorn, doch die Blicke sind nach innen gerichtet. Und dann geht alles ganz schnell.
Die Zeit steht still. Worte fließen in den Körper hinein. Der Mund zittert, doch der Geist erinnert sich. An die Worte, an die Bilder, an das Licht – an die Zeit. Die genau dann weitergeht, wenn der Geist es wünscht. Bis dahin ist Ruhe und Stille. Kein emsiges Treiben. Einzig ein schöner Tag.
Aber definitiv nicht gesegnet.
© Dominik Alexander / 2024
Wiederum ein großartiger Text! Und ja, wo sind die Worte hin, die ich nicht finde? Und was tu ich mit denen, die auf mich losgehen und so tun als waeren sie Worte?
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Vielen Dank, lieber Friedrich. Du spürst scheinbar stets genau die Momente, in denen ich ein klein wenig Zuspruch brauche. Dieser Text entstand, nachdem ich mal wieder von einer Theaterprobe kam. Ich spiele in einem Stück der Dresdner Bürgerbühne mit und finde einfach nicht die Zeit zum Lernen. Ein wenig kann ich meine beiden längeren Texte schon; zu Hause funktioniert es halbwegs, doch auf der Bühne sind dann nur noch Fetzen. Ich klaube mir den Rest irgendwo hinten hervor, stolpere über Worte, bekomme einen trockenen Mund und erinnere mich nur noch daran, dass ich jetzt etwas trinken müsste. Das war die Situation, die ich hier beschrieben habe – eine Art traurige Melancholie, auch Frust darüber, dass ich es einfach noch nicht so schaffe, wie ich will und es eigentlich könnte. Und heute war es kaum anders. Daher haben mir Deine Worte gerade sehr gut getan.
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Lieber Alexander, es tut mir sehr leid das zu hören und ich hoffe, dass Du die Hürde bald schaffst! Wenn ich alter Mann eines gelernt habe, dann das man sich von Schwierigkeiten nicht fern halten kann – sie sind Part of the game. Und je heftiger der Gegenwind bläst, um so mehr “Qualität” kommt dabei im Endeffekt heraus. Die Geschichte kann ja mit genug relevanten Beispielen aufwarten. Erst vor Jahren erfuhr ich, dass der von allen zu Recht vergöttert Nurejew ein großes orthopädisches Problem hatte, das ihn bei den Proben an den Rand des Durchdrehen brachte. Jede Probe ein Kampf gegen seinen Körper. Und heute tanzt er im Olymp der Ballettgeschichte. Und wenn sich einer unserer Träume partout nicht erfüllen will, stellt sich dich oft im Nachhinein heraus, dass es gut so war. Ich wollte in meiner Jugend dort weitermachen, wo Jimi Hendrix aufhören müsste 🤣 Alles Gute und bleib dran!
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