Wir drehen uns ja nicht im Kreis
Wäre das schön
Wenn es wenigstens ein Kreis wäre
Stillstand
Bewahrung dessen
Was wir haben
Stattdessen drehen wir uns in einer Spirale nach unten
Abwärts
Und sehen dabei nicht einmal den Grund
Kein Ende in Sicht
Nichts
Auf das wir hoffen können
Ein Ende
Von dem aus wir uns wieder nach oben schrauben können
Wenn wir es denn je erreichen
Denn wo eine Spirale nach unten führt
Muss es doch auch eine nach oben geben
Bestenfalls auf demselben Weg zurück
Über den wir einst abgestürzt sind
Wenn es so einfach wäre
Bräuchten wir keine Regierungen
Keinerlei übergeordnete Organisation
Die uns den Weg weist
Wer einen Weg geht
Kennt in aller Regel den Rückweg
Und der fühlt sich stets leichter an
Kürzer
Ein bekannter Weg
Der nach Hause führt
Und wenn du den gefunden hast?
Dann bin ich wieder zu Hause
Endlich wieder Stillstand
Wieder etwas Bekanntes
Mit dem ich arbeiten kann
Und wohin willst du von dort?
Nirgendwohin
Wenn ich zu Hause bin
Will ich dort bleiben
Immer nur zu Hause sein
Bis zum Jüngsten Tag
An dem ich Rechenschaft ablegen kann
Darüber
Dass ich es aus eigenen Stücken
Zurück nach Hause geschafft habe
Das ist dein Beitrag zur Menschheitsgeschichte
Dass du es zurück nach Hause geschafft hast?
Das wird einst mehr sein
Als manch anderer vorzuweisen vermag
Zu viele lassen sich abbringen von ihrem Weg nach Hause
Sie lassen sich verführen
In den Strudel hinein
In den Abgrund
Ins Abseits
Ins Jenseits?
Was willst du eigentlich mit deinen Fragen?
Nur fragen
Immer nur fragen
Was mich interessiert
Na klar
Als würden dich meine Antworten interessieren
Du willst mir nur ins Gewissen reden
Willst mich kirre machen
Willst mich in die Irre führen
Auf einen falschen Weg
Keinen falschen
Einen anderen Weg
Und dann?
Kannst du ihn gehen
Und dann?
Beginnst du selbst dir Fragen zu stellen
Innezuhalten
Du willst doch nur
Dass ich mich frage
Ob mein Zuhause wirklich mein Zuhause ist
Du willst
Dass ich mich zu Hause nicht mehr wohl fühle
Dass ich mich zu Hause nicht mehr sicher fühle
Du willst mich in die Spirale nach unten treiben
Fort von meinem Zuhause
Ins Unbekannte hinein
Du willst
Dass ich mich verliere
Ans Nichts
Ans Alles
Du willst
Dass ich mein Selbst verliere
An nichts mehr glaube
Du willst
Dass ich die Freude am Bewahren verliere
Du willst
Dass ich mich für mein Zuhause geniere
Genau dafür bin ich da
Und ich soll dir wohl noch danken
Dass du mich verunsichert hast
Dass ich denke
Es könnte sein
Dass mir mein Zuhause keine Sicherheit bieten kann
Aber glaube ja nicht
Ich könnte irgendwann denken
Dass sich die Spirale auch nach oben drehen kann
Dass ich irgendwann zurückschaue
Um zu erkennen
Dass ab dieser Kreuzung
An der ich dich traf
Alles gar nicht so schlecht war
Wie ich einst
Also jetzt
Glaubte
Deinetwegen werde ich ganz sicher nicht zum Denker
Ich werde ein Glaubender bleiben
Denn das gibt mir Sicherheit
Etwas nicht sicher zu wissen
Sondern zu hoffen
Dass es sein könnte
Alternativen lasse ich nicht zu
Und dennoch dreht sich deine Spirale
Egal ob abwärts
Oder aufwärts
Für dich wird es sich stets so anfühlen
Als fielest du ins Bodenlose.
© Dominik Alexander / 2024
Wieder ein großartiger Text – und sehr gut “nachfühlbar”. Ich denke, vor allem jüngere Leute fühlen diese Spirale nach unten sehr stark. Und nichts das Halt bietet, kein Punkt, ueber den sich sagen liesse: aber dann wirds wieder gut. Blind Faith hatten einen feinen song: Can’t find my way home.
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Vielen Dank, Friedrich. Interessanterweise kann man den Text sogar in zwei Richtungen lesen, wie ich gerade beim Nochmallesen festgestellt habe – also als Anklage an die, die alles nur negativ sehen oder als Anklage an die Gesellschaft, die Menschen genau dieses Gefühl vermittelt, dass alles den Bach runtergeht. Den Song kannte ich tatsächlich noch nicht. Danke für den Tipp.
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Ha, ja, mir drängte sich DNA Struktur auf und freue mich, dabei nicht ganz daneben zu liegen 😎🙏🎶
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Auch eine schöne Lesart 🙂
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