Es ist schon etwas verrückt
Denn ich bin gar nicht beglückt
Über den kürzeren Tag
An dem ich zuvor noch sag
Wie mein Text aussehen wird
Wenn ich nach Hause komme
Endlich
Nach einem viel zu langen Arbeitsfreitag
Es dämmert schon
So wie vor ein paar Stunden
Dann mit frierenden Augen
Gegen die fallenden Flocken
Da können auch die qualmenden Socken
Nicht frohlocken
Das war nun unernst
Dabei wollte ich mein Dilemma verkünden
Und es wie stets damit begründen
Dass ich einfach nicht geschafft
Und zu Papier gebracht
Was doch schon im Kopfe war
Hier ein Bissen in den Magen
Tja
Was soll ich sagen
Und schon ist es wieder tiefe Nacht
Der Gleichmut frisst das Kreative
So mancher stürzt sich schließlich in die Tiefe
Versucht sich so zu retten
Vor dem Mühlrad
Vor der Zeit
Die Nacht ist schließlich zum Schlafen da
Doch ich versuche dem Bett zu fliehen
Weil dort doch
Wie immer
Nur die Kissen auf mich warten
Am Morgen denke ich
Heute wird ein produktiver Tag
Der Schlaf war kurz
Doch tat er gut
Wie weggeblasen ist die Wut
Die gestern Nacht noch in mir war
Weil ich wieder nicht zu Papier gebracht
Was ich erdacht
Vor Stunden
Und sogar noch vor Sekunden
Doch dann fahre ich durch eine weiße Wand
Schaue gespannt auf den Stadtverkehr
Mag sie nicht sehr
Diese Nahtoderfahrungen
Bin froh
Wenn ich zu Hause bin
Muss zählen meine verbliebenen Leben
Will mich dann zwingen
Nicht aufzugeben
Die Worte sind doch in mir drin
Sie wollen raus
Sie rufen nach dem Sinn
So wie ich
Doch zuerst will ich zu Tisch
Der Magen übertönt das Hirn
Die Sonne sinkt hinab
Hinter grauem Schneegewölk
In ihr trübes Sonnengrab
Jeder wie er mag
Nur hilft es nichts
Bei schummrigem Licht
Das Denken abzutöten
Mit geistlosem Scrollen, Wischen, Klicken
Ich müsste diesen Schal noch stricken
Wird schließlich Winter
Irgendwann
Und was mach ich dann
Mit meinen Worten
Mein Kopf ist schon ganz schwer
Da hilft es auch nicht sehr
Dass ich den Flocken zuschauen kann
Dann und wann
Sogar im Dunkel dieser Nacht
Schalte ja das Radio nicht ein
Keine Nachrichten
Nicht heute
So kurz vor dem Wochenende
Lass es sein
Wenigstens heute Nacht —
Zweiundzwanzig Uhr
Die Nachrichten
Zum Auftakt des JuSo-Bundeskongresses hat der Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation, Türmer, die Parteispitze wegen der wochenlangen Kanzlerkandidatendebatte offen kritisiert. In seiner Rede im sachsen-anhaltinischen Halle griff er die Bundesvorsitzenden Esken und Klingbeil direkt an. Er habe zu keinem Zeitpunkt den Eindruck gehabt, dass die beiden die Herrschaft über den Prozess und den Diskurs oder gar einen klaren Plan gehabt hätten. Seiner Auffassung nach hätte man das jetzige Ergebnis auch schon vor zwei Wochen haben können. Wörtlich sprach Türmer von einer Shit-Show.
© Dominik Alexander / 2024