Schon wieder seh ich einen Tag im Abendrot verglühen
Ich hab versucht, es aufzuhalten überm Horizont
Hab mich doch noch vor wenigen Wochen zu dieser Zeit
In seiner purpurfabnen Pracht gesonnt
Halb fünf – das ist doch keine Zeit
Am späten Nachmittag ist doch kein Mensch bereit
Schon in die Nacht hineinzugehen
Dafür ist er einfach zu wenig bequem
Heute zum Beispiel
Komme ich gerade von einer Probe
Fühle mich so
Als wäre ich gerade erst aus dem Bett gestiegen
Und war doch bereits mehr als drei Stunden
In einem schwarz geschminkten Raum mit Deckenbeleuchtung
Kein Licht von draußen kam da herein
Und doch hatte sich draußen nichts verändert
Als die Probe beendet war
Und ich wieder draußen
Blauer Himmel und blendender Sonnenschein
Auf der Straße der übliche Verbrennerverkehr
Der sich an Fahrrädern und Fußgängern vorbeidrängelt
Als käme es auf zwei Sekunden an
Gut, es ist ein wenig kühler als noch vor wenigen Wochen
Doch es fühlt sich nicht spät an
Als ich nur wenig später von meiner Zwischenmahlzeit
Ins Wohnzimmer gehe
Und dort sehe
Wie sich die Sonne beeilt
Sich unter den Horizont zu wühlen
Als wärs ihr auch zu kalt im Kühlen
Das schlimmste ist, dass ich noch mal ins Dunkle muss
Sonst könnte ich vielleicht genießen
Dass Sterne sprießen an jenem Horizont
Wo sich vor Stunden noch die Sonne gesonnt
Dann denk ich mir, das geht seit Jahren so
Ich will den Winter haben sowieso
Doch ist er da, ist mir der Tag zu kurz
Dann ist mir das Kalte wieder schnurz.
© Dominik Alexander / 2024