das klare licht
fürchte ich nicht
wenn die sterne rufen
und die eule schreit —
bin ich bereit
für die neue zeit
die ins gestern schaut
und das morgen verbaut?
–séamus kennan
sirenenhaft gleiten die stimmen durch den digitalen raum
meine eigene stimme höre ich kaum
nur alle stimmen und ab und zu keine
weißt du, wie ich das meine?
wenn die gedanken brechen
wenn sich alle anderen gedanken rächen
die um mich her
und in mir drin
ergibt das alles denn überhaupt noch einen sinn?
ambiguitäten soll ich tolerieren
wenn sie mich abstoßen, soll ich mich genieren
und am ende dennoch authentisch sein
am besten beides: überirdisch und klein
der mensch hat schließlich keine wahl
sagt er nicht stets: das leben ist qual
ich soll es annehmen, wie es ist
alles hinnehmen, sonst bin ich ein faschist
andererseits soll ich individualität leben
danach streben
die beste version meiner selbst zu sein
doch bin ich es, ist es auch nicht fein
was ist überhaupt das beste am menschen
kann sich ein anderer überhaupt noch wünschen
wenigstens in seinem schatten zu stehen
oder soll er dann gleich wieder gehen
soll jeder einzelne eine krone tragen
soll nur darstellen und nichts mehr wagen
irgendwann steht ein jeder in seinem kleinen kern
lässt sich bescheinen und hat sich selbst furchtbar gern
andere muss er nicht mehr tolerieren
denn er kann abkassieren
so glaubt er
denn er glaubt wie alle anderen
an ein wesen in übermenschlichen spheren
in zukunft ist jeder sein eigener gott
welch seltsamer polytheismus kurz vorm schaffott
ambiguität im weitesten sinn
toleranz ist da nicht mehr drin
sehr viel glaube und kein wissen
gott, fühle ich mich beschissen
wenn ich an diese gar nicht zu ferne zukunft denke
wenn ich mich jetzt nicht ganz schnell selbst beschenke
dreh ich noch frei
dann ist es vorbei.
© Dominik Alexander / 2025