Sonntagsfrage: Zurück in die Vergangenheit oder Zurück in die Zukunft?

In zwei Wochen wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Deshalb gab es heute das erste Kanzlerduell. Es ging erwartbar nicht um Klimaschutz, sondern um marginale Themen wie Bürgergeld, Gendern und Atomkraftwerke. Mit den erwartbaren Positionen der Herren Scholz und Merz – beide Team Vergangenheit. Unter Team Zukunft platziere ich die Grünen (noch) und (überraschenderweise) die Linkspartei. Unter ferner liefen kann die FDP verortet werden. Daher hier ein kurzer Nachruf aus kunsthistorischer Sicht.

Portraits in Schwarz-Weiß sind künstlerisch wertvoll. Sie suggerieren Intellekt, wobei es hinsichtlich der FDP beim Suggerieren bleibt. Denn das Schwarz-Weiß steht hier nicht für hintergründigen Intellekt, sondern für das, was es ganz plakativ ist: Schwarz-Weiß. Die Dualität der Politik: Wählt mich, sonst bekommt ihr die Anderen. Wir sind gut; die anderen sind schlecht. Inhaltlicher wird es nicht. Eher noch plakativer mit den für die FDP nun bereits seit Jahren üblichen, also mittlerweile auch schon abgedroschen langweiligen Neon-Farben Pink, Gelb – und Blau?

Verleihen die wild, aber durchaus strategisch verteilten blauen Kleckse im Stil eines Jackson Pollock dem FDP-Plakat an sich und insbesondere dem Konterfei Christian Lindners nicht eine Art hyperrealistische Metapher? Christian Lindner sieht Blau! Christian Lindner ist auf beiden Augen blau! Wobei Blau selbstverständlich symbolisch für eben jene Partei steht, deren Balken in Umfrageprognosen seit einiger Zeit bereits braun eingefärbt ist. Aus Gründen.

Verweist der Künstler mit seiner Verfremdung in die Zukunft oder doch in die Vergangenheit? Will er mit seinem Kunstgriff andeuten, dass die AfD die Lindner’sche FDP mundtod und blind gemacht hat? Oder deutet er an, dass Lindner seine FDP im Kleinen bereits genau so spaltet, wie die AfD die deutsche Bevölkerung im Großen?

Der Ort der künstlerischen Denk- und Spielart mit dem ansonsten drögen politischen Anbiederungsobjekt dürfte nicht ganz unwichtig sein. Die Ausstellung kann am Zelleschen Weg, ganz in der Nähe der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek besucht werden.

In unmittelbarer Nähe zum Lindner-Plakat teilt uns ein anderes Plakat mit, dass Sahra (Wagenknecht) am 10. Februar 2025 kommt. Zum ersten Mal in diesem Jahr? Nur einmal in diesem Jahr? Sonst nie mehr? Wirklich wissen will ich das trotz dieser Fragen jedoch nicht. So viel sexueller Offenbarungseid geht dann doch zu weit und hat in dieser Kunstbetrachtung nichts verloren.


        © Dominik Alexander / 2025

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