Das hat Franziskus nicht verdient

Mein Vater liebt es, den Ofen zu befeuern. Am gestrigen Ostersonntag war der Qualm, der aus dem Schornstein quoll, als ich den Weg vom Bahnhof zu meinem Elternhaus ging, besonders weiß. Er senkte sich wie Theaternebel über die Wiese des benachbarten Grundstücks und roch entsetzlich nach dem, was mein Vater zum Anfeuern benutzt hatte. Als ich zur Eingangstür hereintrat, kam mir meine Mutter entgegen. Gibt es einen neuen Papst? fragte ich sie. Sie verstand nicht; ich verwies auf den Rauch. Ich meinte es im Scherz. Weniger als einen Tag später war der aktuelle Papst Franziskus tatsächlich tot.

Kurz nach halb Acht am Ostermontag sei er verstorben, meldete der Vatican in einer Videobotschaft. Zunächst hatte ich mich noch über das sehr lange Glockenläuten der benachbarten Kirche gewundert, als ich gerade dabei war, mein Frühstück zuzubereiten. Bis ich mich wunderte, dauerte es jedoch etwas. Schließlich war Ostermontag. Mit ein wenig Glockenläuten konnte man da schon rechnen. Aber dann doch so lange? Man kann es auch übertreiben!

Schließlich sah ich einen Instragram-Post von Bodo Ramelow, ein Bild in Schwarz-Weiß von ihm und Papst Franziskus mit zwei weißen Tauben. Darunter sein Titel mit den Jahreszahlen 1936-2025. Hatte ich nicht gestern noch gehört, dass er den Ostersegen urbi et orbi selbst gesprochen hat und anschließend im Papa-Mobil zwanzig Minuten über den Petersplatz gefahren worden ist? Doch so einen Scherz würde Bodo Ramelow doch nicht machen. Also musste es wohl wahr sein. Und das lange Glockengeläut dem verstorbenen Papst gegolten haben.

Für diverse Fernsehsender gab es nun kein Halten mehr: Alle schon lange vorbereiteten Nachrufe und Dokumentationen über sein Leben konnten nun endlich gezeigt werden. Die große Aufmerksamkeit, die Franziskus zu Lebzeiten gar nicht wollte, wurde nun im Nachhinein über ihm ausgeschüttet. Doch das war es nicht, was er sich nicht verdient hat. Es war die letzte Audienz seines irdischen Lebens, die ihm wahrscheinlich des Rest gab.

Ausgerechnet J. D. Vance, dem menschgewordenen Kajalstift und Papagei des US-amerikanischen Autokraten, war es vergönnt, dem Papst seine letzte Aufwartung zu machen. Auf einem Foto dieser Zusammenkunft zieht Vance die Mundwinkel bis zu den Kajalrändern; Franziskus schaut skeptisch und leicht angewidert. Er lässt es über sich ergehen. Dann hat er genug und stirbt.


        © Dominik Alexander / 2025
        © Konradsblatt / Erzbistum Freiburg im Breisgau (image)

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