Caput I
Vereinzelt sitzen sie auf Bänken
Im Park am lauten Wochenmarkt
Griesgrämig schauende alte Männer
Oft vor dem letzten Herzinfarkt.
Begleitet werden sie von Hunden
Die gütig folgen ihrem Schritt
Genauso wie die blauen Horden
Ein Viertel läuft mit ihnen mit.
In Sachsen blühen blaue Blumen
Aus Ruinen und totem Holz
Aus braunem Gestern generieren sie
Ihren nationalen Stolz.
Wenn ich in die Gesichter schaue
Erkenn’ ich Trübsal und viel Wut
Jeder hier trägt seine Wunden
Zu vielen doch fehlt jeder Mut.
Von Sachsen aus fiel einst die Mauer
Doch einige woll’n sie heut’ wieder
West und Ost sind sich recht fremd
In Dresden hört man Nazilieder.
Der Fremde ist hier nicht willkommen
Das Ost-Grau steckt noch in den Köpfen
Wer bunt ist, hat nicht viel zu lachen
Vermag kaum gute Laune schöpfen.
Verhöhnt wird jeder Teil des Damals
Aus fernem Westen jeden Tag
Auch sie woll’n heut’ die Mauer wieder
Als wär’s ein kündbarer Vertrag.
Wenn ich heut’ Nacht an Sachsen denke
Dann fall’n mir meistens Nazis ein
Auch wenn ich’s täglich nicht erlebe
Die Medien bilden sich das ein.
Nun lese ich von meinem Land
Fast täglich negative Zeilen
Von Wut und Polizeigewalt
Niemand möchte da verweilen.
So wage ich denn diesen Schritt
Und gehe auf die Menschen zu
Sie sollen sagen, was sie quält
Dann lass ich sie vielleicht in Ruh’.
Caput XXX · Übersicht · Caput II
© Dominik Alexander / 2023