Sachsen. Ein Schauermärchen

Ich mag Deutschland. Ein Wintermärchen von Heinrich Heine. Und kurz vor Septemberbeginn dachte ich mir: Das kann und will ich auch schreiben. Also, so etwas ähnliches. Für Sachsen. In der Gegenwart. Also entstand Sachsen. Ein Schauermärchen.

Mein Projekt im September 2023 bedeutete zweierlei: Ich musste an jedem Tag ein Ziel haben, das mir mindestens ein interessantes Photo einbrachte und darüber hinaus eine spannende Geschichte, ein Ereignis oder ein Aufhänger, worum das jeweilige Tageskapitel kreisen sollte. Wintermärchen soll angeblich auch innerhalb eines Monats entstanden sein. Es hat 27 Kapitel; also habe ich mir vorgestellt, dass Heine in etwa ähnlich vorgegangen sein muss. Auch wenn seine Voraussetzungen und Inhalte natürlicherweise leicht variieren.

Immerhin hatte ich nicht zuvor 13 Jahre im Ausland verbracht und schaute nun mit fremdem Blick auf das Land meiner Geburt. Nein, ich schreibe von mittendrin, und mein Radius ist auch geringer. Hauptsächlich spielt das Schauermärchen in Dresden und macht nur ab und zu Abstecher in die Oberlausitz sowie nach Radebeul, Leipzig und Meißen.

Das Schlechte ins Kröpfchen

Die Grundidee des Gedichts lag darin, alles Schlechte in Sachsen und speziell in Dresden herauszustellen. Im kommenden Jahr stehen hier so einige Wahlen an, und die Befürchtungen sind groß, dass die AfD so einige Rennen für sich entscheiden könnte – mit bisher noch ungeahnten Folgen. Doch was sollte es bringen, einfach nur auf etwas draufzuschlagen, was ohnehin bereits am Boden liegt?

So einiger Frust in Sachsen hat Gründe. Die mögen teilweise irrational sein – ebenso wie künstlich aufgebauschte Ängste. Doch teilweise verstehe ich die Wut der Leute. Über dreißig Jahre nach Mauerfall und politischer Wende fühlen sich einige Menschen ihrer Geschichte und Errungenschaften beraubt. Sie lesen die negative Presse, vergleichen aber auch die unterschiedlich hohen Löhne, die ungleich verteilte Wirtschaft, die maroden Straßen und Schienen, das abgehängte Land, die schließenden kleinen Läden und vieles mehr.

Das Gute ins Töpfchen

Deshalb – und ich denke, das liest man aus den einzelnen Kapiteln heraus – habe ich punktuell auch Sorgen und Nöte der Menschen hier eingestreut, wo zuvor größtenteils AfD-Schelte zu lesen war. Die Blauen werde ich trotzdem nie wählen, aber ich verstehe teilweise, weshalb viele Menschen in Sachsen das machen.

Außerdem habe ich mich natürlich daran versucht, Heines Humor zu adaptieren. Bei einigen Begegnungen fällt mir das leicht; anderswo eher nicht. Aber auch das merkt man. Insgesamt war das Projekt nicht immer einfach. Und gerade zum Ende hin hatte ich einigen Stau produziert. Das heißt: Ich habe nicht jeden Tag ein Kapitel schreiben können. Am 30. September war ich gerade erst beim 25. September angekommen. Die Erinnerung an diese Tage lag also etwas weiter zurück. Mit Hilfe der Bilder, meinen Aufzeichnungen bei Google Maps sowie meinen beiden Tagebüchern war das aber kein großes Problem.

Schließlich hoffe ich, dass die Lektüre gefällt, zum Nachdenken und Weiterdenken (bitte nicht zum Querdenken!) einlädt und generell etwas Lust auf Lyrik macht. Wer mir darüber hinaus noch den ein oder anderen Kommentar hinterlassen möchte: sehr gern. Vielen Dank im voraus!

Die Bilder weiter unten auf dieser Seite können angeklickt werden. Unter dem i unten rechts finden sich Informationen zum jeweiligen Bild. Wenn ihr hier auf Caput I klickt, werdet ihr zum ersten Kapitel geführt. Unter jedem Kapitel gibt es drei Links: zum vorhergehenden Kapitel, zur Übersichtsseite (also hierher zurück) sowie zum nachfolgenden Kapitel.


                Caput I


        © Dominik Alexander / 2023

3 Comments Add yours

  1. Grossartiges Projekt! Hut ab! Heine war auch lange Zeit einer meiner Lieblingsautoren. Das erste Mal (1973?) da ich ein einem Kellertheater war, sah ich “Aus meiner Matratzengruft”. Heine Texte, meist aus Deutschland ein Wintermaerchen. Hat sich fest in mein Gedaechtnis eingenistet. Heute (und das ist kein Scherz) kennen – und vor allem lieben – wahrscheinlich mehr Chinese Heine als Deutsche.

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    1. Vielen Dank, Friedrich! Das ist spannend mit Heines Verbreitung in China. Hätte ich nicht gedacht, vor allem wegen Heines zuweilen beißenden Spotts und Sarkasmus.

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      1. Desgleichen Theodor Storm. Immensee ist Teil der Allgemeinbildung. In China 😎

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