Sachsen. Ein Schauermärchen – Caput II

Caput II

Der nächste Tag erwacht im Nebel
Die Stadt liegt trostlos hier
Niemand könnte ahnen, dass später
Im Flusse fließen würde Bier.

Betrunken geht die Stadt zugrunde
Die Bürger suchen ihren Trost
Im hemmungslosen Komasaufen
Bis zum nächsten Frost.

Das Schauspielhaus lädt ein zum Tanz
Doch vorm Vergnügen kommt die Kür
Für Karten heißt es Schlange stehen
Dafür ganz ohne Gebühr.

Mal hinter die Kulissen schauen
Dazu noch kostenlos
Da stehen Menschen gern früh auf
Das Angebot ist schier famos.

Muss man es nur mit Kindern teilen
Mit Peter und dem Wolf
Mit Ska-Musik und Luftballons
So mancher spielt da lieber Golf.

Oder schaut sich Bühnentechnik an
Berät dabei Beleuchter
Mehr Rampenlicht fürs Charakterspiel
Dafür weniger Luftbefeuchter.

Die Jugend ist hier laut und bunt
Wenn Schnelligkeit gefragt
Geht es jedoch in Katakomben
Wird seltener gewagt.

Die kruden Fragen stell’n die Alten
Durch Lebensjahre kreativ
Die Jungen reißen flache Witze
Gespräche sind kaum intensiv.

Verstellung funktioniert recht gut
Bei TikTok und bei Instagram
Aufs Marketing fall’n sie herein
Und trauen jedem Spam.

Gefeiert wird bis in die Nacht
Mit Spiel und Alkohol
Während im fernen Oberhof
Die Rechte schraubt am Monopol.

Der Tag versinkt im Staatsschauspiel
Die Nacht bricht sanft hinein
Bis morgen leben wir im Rausch
Dann schlägt der Fußball alles klein.


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        © Dominik Alexander / 2023

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