Sachsen. Ein Schauermärchen – Caput III

Caput III

Am Sonntag suchen auch in Dresden
Menschen in der Kirche Kraft
Auch wenn es nur Touristen sind
Ihr Schreien ist grauenhaft.

Sie müssen alles kommentieren
Was immer sie auch sehen
Sind sie der Linde überdrüssig
Kann ich in Frieden gehen.

Ich kann mich in die Kirchbank setzen
Um Stille zu genießen
Wo sonst bleibt aller Trubel fern
Das will ich gleich begießen.

Mit einem Schlucke kühlen Wassers
Aus dem Elbenstrom
Wo Gänse und Hunde baden
Auch ohne Schwimmdiplom.

Der Sonntag ist der Tag der Ruhe
So war es mal gedacht
Heute werden Brot und Spiele
Geliefert Tag und Nacht.

Am Goldnen Reiter Keramik kaufen
Konzert im Großen Garten
Ein Straßenfest in der Johannstadt
Und alles ohne Karten.

Doch trinken muss man; das ist Pflicht
Man müsste sonst ja denken
An Politik und Weltgericht
Das gilt es einzuschränken.

Proteste haben wir genug
Von Linken und von Rechten
Da müssen wir Geschenke streuen
Und uns die Mitte mästen.

Aus all dem brech’ ich gerne aus
Urbanes wird zu Land
Bis futuristisches Betreben
Gedanken mir verband.

Denn was soll diese Flucht bedeuten
Als immer mehr vereinzelt sein
So kehr ich um zum lauten Trubel
Und weine leis’ in mich hinein.


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        © Dominik Alexander / 2023

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