Sachsen. Ein Schauermärchen – Caput VIII

Caput VIII

Ein heißer Tag ist draußen wieder
Die Meisen singen froh
Auch ich bin wie das Wetter heiter
Zuweilen ist das so.

Auch weil am Freitag Markttag ist
Am Sachsenplatz steh’n Buden
Ich sehne mich nach Käsekuchen
Es gibt ihn nicht, den guden.

Bestell’ ich halt für nächste Woche
Und gehe weiter meines Wegs
Es zieht mich in die Innenstadt
Zu den Menschen keineswegs.

Die heißen hier zumeist Touristen
Und stehen oft im Weg
Zu kennen unbegang’ne Pfade
Ist unbezahlbar Privileg.

Doch bin ich als Hybrid am Ort
Bewohner und Touristenführer
Wird man als einheimisch erkannt
Geriert man zum Verführer,

Der mit schnellem Ratschlag punkten kann
Und seine Stadt verkauft
Idealerweise freundlich lächelnd
Dass jeder seine Haare rauft,

Der Fremde hier nicht haben will
Auch nicht die mit Geld
Wenn Leben auf alles die Antwort wäre
Wär’ Tod, was denen gefällt.

Touristen werden nicht geschätzt
Lieber sieht man Volkskunst blüh’n
Mit Bier hat das recht viel zu tun
Der Menschendienst ist da zu kühn.

Ich kaufe Tee und laufe dann
Zum Ständehaus hinunter
Dort, wo die Atlanten steh’n
Ist die Stadt noch bunter.

Hier wirbeln Sprachen durcheinander
Auf Fotos fehlen selten Leute
Der Herbstmarkt hat unlängst begonnen
Hier wird der Mob zur Meute,

Den man am Rand umgehen kann
Steht Muse nicht nach Mahl und Trank
Solch Überreiz an Mensch und Tinnef
Macht jeden irgendwann mal krank.

So such’ ich später noch mal Ruhe
Spazierend ins Café
Zwar sitz’ ich hier im Kindertrubel
Doch tut’s mir hier nicht weh.


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        © Dominik Alexander / 2023

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