Caput X
Um Touristen schlängle ich mich wieder
Zum Tag des Offenen Denkmals
Das Elbufer ist langweilig blau
So wie die Hoffnung einstmals.
Ich freue mich auf das Sachsenbad
Das immer nur geschlossen
Seit Jahren vor sich hin rottet
Ein Neustart scheint beschlossen.
Bei meiner Ankunft allerdings
Tummeln sich Besucher zwar
Das Tor jedoch ist abgesperrt
Ein netter Herr klärt auf, was war.
Ein Einlass sei hier unerwünscht
Der neue Eigentümer
Will interessierte Bürger nicht
Als seien sie Ungetümer.
Dabei will er wohl nur nicht zeigen
Dass seit zwei Jahren nichts getan
Am funktionalen Bauhaus-Bau
Wo ist denn hier der Plan?
Fragen sich bestürzte Menschen
Die zur Ruine kommen
Als Kind hamm sie hier schwimmen gelernt
Die Stimmung ist beklommen.
Eine Familie mit zwei kleinen Kindern
Frage ich nach Möglichkeiten
Mit dem Nachwuchs was zu unternehmen
Das seien nur Kleinigkeiten.
Seit der Wende gibt es hier kein Bad
Im Stadtteil gibt’s sonst nüscht
Matchbox Autos fliegen aus Fenstern
Sonst wird hier aufgetischt,
Was die Blauen gern erzählen
Pieschen ist noch bunt genug
Wovon hoch gehängte Plakate zeugen
Doch Menschen wittern den Betrug,
Der an dem Sachsenbad begangen
Auch die Blauen haben das verbockt
Alles nur zu delegieren
Damit hat man sich verzockt.
Später stehe ich im Schatten
Bei einem braunen Wasserfall
Es riecht nach Erde und nach Moder
Hier liefere ich Widerhall,
Denn jeder glaubt, ich wüsste was
Da ich hier steh’ und schreibe
So leicht kann ich hier jemand werden
Wenn ich Unwissenheit vertreibe.
Im Albrechtsberger Schloss jedoch
Fühl ich mich fremd im Glanze
Längst vergang’ner Adelszeiten
Und modernem Zugeschanze.
Vetternwirtschaft und Korruption
Sind längst hier angekommen
Das seh’ ich auf den ersten Blick
Hab’ ich den Berg erklommen.
Heimische Verlage stell’n sich vor
Dresden soll ich hier (er)lesen
Es geht um Geister und Klamauk
Und darum, was gewesen.
Eine Gründerin erzählt mir frei
Ihr Vater sei ihr bester Klient
Ich sage lächelnd Auf Wiedersehen
Hier werde ich nicht Rezipient.
Das Römische Bad sieht erbarmungslos aus
Die Führung hab’ ich verpasst
Doch ein Schild informiert über Fledermäuse
Die die Bauarbeiten gechasst.
So ist es hier wie in der Stadt
Der Prunk wird gerne hofiert
Die Basis liegt jedoch darnieder
Das rächt sich ungeniert.
Mein Fahrrad trägt mich geraden Wegs
Zur Elbe wieder hinunter
Vom Ufer her weht Grillduft hinauf
Da bin ich wieder munter.
Caput IX · Übersicht · Caput XI
© Dominik Alexander / 2023