Sachsen. Ein Schauermärchen – Caput XI

Caput XI

Bauarbeiten lärmen fröhlich
Bereits am Morgen jeden Tag
Den Wecker kann man sich so sparen
Steht das im Vertrag?

Verspargelt ist die ganze Stadt
Die Baustellen wechseln stündlich
Niemanden scheint das jedoch zu stören
Jedenfalls nicht mündlich.

Geäußert wird sich lieber online
Wo’s keine Antwort gibt
Draußen verschlägt’s dem Volk die Sprache
Da ist es dumm und liebt

Die platten Floskeln der AfD
Die das Stadtbild noch nicht bestimmt
Das Wetter wär’ dann heiter nicht mehr
Wenn die Moral die Elbe langschwimmt.

Als ich auf meinem Fahrrad sitze
In nachmittäglicher Glut
Denk ich daran, welcher Tag heute ist
Mit abgestand’ner Wut.

Jeder weiß, wo er an diesem Tag war
Vor zweiundzwanzig Jahren
Als es einen neuen Anfang gab
Die Erinnerung bewahren

Die Fernsehbilder aus New York
Mehr ist hier nicht nötig
Der Probleme haben wir selbst genug
Mein Kopf verfärbt sich rötlich.

Ich stehe auf der Augustusbrücke
Und sehe auf die Welle
Vor Kanagawa von Hokusai
Genau an dieser Stelle

Hat die Flut sich in die Stadt ergossen
Doch die Menschen waren geeint
Wenn ich heute in die Gesichter schaue
Hab’ ich innerlich oft geweint.

Auf der Prager Straße informieren
Obdachlose über ihr Leben
Dass alle Menschen glücklich sind
Sollten wir das nicht erstreben?


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        © Dominik Alexander / 2023

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