Caput XIX
Um alles nochmal mitzunehmen
Was alles Freier immer ging
Fahre ich zu Johann Sebastian
Ganz ohne Augenring.
Zum Letterpress geht’s mit dem Zug
Künstler beginnen spät
Man darf sich niemals hetzen lassen
Sonst leidet die Qualität.
Auch mehrere Dinge zu verfolgen
Gleichzeitig ist nicht gut
Bei diesem Projekt bin ich zum dritten Mal
Diesmal hat mich die Glut
Der Leidenschaft im Rücken
Was Akzeptanz bewirken kann
Und wirkungsvolle Perspektiven
Merkt man, wenn’s begann.
Im Zug war’s überraschend heiter
Leipzig empfängt mich mit Sonnenschein
Zum Druckkunstmuseum laufe ich
Doch vorher kehr’ ich ein
Beim Bäcker für ein Stück vom Kuchen
DDR-Charme liegt in der Luft
Aus dem Park hat mich ein Raucher vertrieben
Dieser egoistische Schuft.
Das Museum für Druckkunst empfängt mich jedoch
Herzlich in seinen Hallen
Ich möchte mein Projekt beenden
Es soll aber schon gefallen.
Denn Letterpress kann heimtückisch sein
Die einzelnen Lettern sind böse
Davon bin ich überzeugt
Heut’ geb’ ich mir keine Blöße.
Das Blatt soll endlich fertig sein
Ein Sonnet, geschrieben vor Jahren
Beim vorigen Mal hatt’ ich’s beinah’ geschafft
Nun stell’ ich mich dem wahren
Kampf mit Sütterlin, Futura und Ahle
Der Probedruck gelingt
Und während ich an der Presse steh’
Wird meine Laune beschwingt.
Ein Kollege der Werkstatt begeistert sich
An meinem Projekt und fragt
Nach einem signierten Exemplar
Das hätt’ ich im Traum nicht gewagt.
So schreibe ich mein Autogramm
Auf frisch bedrucktes Papier
Mein erster Fan ist Hans aus Leipzig
Hans, ich danke dir.
Am Bahnhof trink’ ich noch einen Kaffee
Mein Zug ist leicht verspätet
Ein früherer Kommilitone sitzt drin
So ist das Feld bejätet.
Für weithin erweiterte Kreise
Es war ein langer Tag
So trudle ich heim auf meinem Rad
Wie gerne ich das mag.
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© Dominik Alexander / 2023