Sachsen. Ein Schauermärchen – Caput XVI

Caput XVI

Ein Fluss verbindet oder teilt
Wie ist das bei der Elbe?
In Dresden teilt sie; das ist klar
Denn Nord und Süd sind nicht dasselbe.

Im Norden ist belebte Neustadt
Wo Grün mitnichten Schimpfwort
Im Süden Universität
Doch nicht nur Wissenshort.

Die Partyszene ist im Norden
Belebt auch in der Nacht
Kommt man im Dunkeln in den Süden
Wird nicht mehr gelacht.

Der Süden gleicht dem Friedhof dann
Wie eine and’re Welt
Hier lebt nur, wer schlafen will
Wenn ihm das gefällt.

Doch auch das Weltbild differiert
Konservativ im Süden
Im Norden dagegen zukunftssicher
Alle fischen im Trüben.

So kommt die Rede auf die Elbe
In kühner Überleitung
Ich sammle hier Kilometerschilder
Komm’ ich damit in die Zeitung?

Lieber wäre mir ein Buch
Ich arbeite bereits daran
Wage mich heute zur Neunundsechzig
Danach ist Meißen dran.

Ich besteige also erneut mein Rad
Und fahre die Elbe herunter
Durch die Flutrinne mit Graffitigalerie
Die Jugend agiert hier munter.

Ich starte sehr spät und rase dahin
Und weise Touristen den Weg
Die aus dem fernen Bayern kamen
Ihre Sprache ist ihr Beleg.

Die Touristen mögen Dresden sehr
Denn sie können wieder fort
Sie saugen die Schönheit mit den Augen ein
Und schwärmen von dem Ort.

Doch mich zieht’s raus in die Natur
Zu den Pferden am rechten Ufer
Hier sauge ich die Schönheit ein
Und werde zum einsamen Rufer.

Auf meiner Rückfahrt holt mich der Dämmer
Im Rücken versinkt die Sonne
Ich beschaue noch mal die Galerie
Was für eine Wonne!


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        © Dominik Alexander / 2023

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