Caput XXIII
Ins Ländliche zu fahren entschleunigt
Hier gibt es nicht nur Nazis
Die Eigenheime sind veraltet
Das stört selbst die Bazis.
Wie sangen es die Ärzte einst?
Sie rufen still nach Liebe
Stattdessen ist ihr Einst nichts wert
Im Hinterhof setzt’s Hiebe.
Dafür bin ich jedoch nicht hier
Will die Eltern nur besuchen
Doch im Dorf zur Mittagszeit
Muss ich sie erst suchen.
Langfristig wird hier kaum gedacht
Sondern spontan entschieden
Handfest geht es hier stets zu
Egal ob Krieg, ob Frieden.
Die Thuya Brabant ist zu groß
Sie streift beinahe ein Kabel
Um nicht des Nachbarn Telefon zu kappen
Endet heut’ die Fabel
Von der Zypresse am grünen Zaun
Insekten suchen das Weite
Käfer, so groß ich sie nie gesehen
Wählten die falsche Seite
An diesem schicksalhaften Tag
Als sie ihr Zuhause verloren
Es war klar, wer hier gewinnen würde
Der Feind war auserkoren.
Sie ziehen mit Urin zu Felde
Gegen den Häcksler kommen sie nicht an
Hier ist jedoch nur einer gestorben
Die Zeit der Thuya war dran.
Was hier spontan entschieden ist
Braucht in Berlin zu lange
Wer dort einen Baum vom Grundstück nimmt
Bekommt ‘ne Klage von der Stange.
Am Land interessiert Realpolitik
Echte Gespräche mit Leuten
Was heute ausgelagert wird
Rottet sich zusammen in Meuten.
Ihre Probleme werden nicht gehört
Berlin schafft lieber neue
Was aus der Ferne kommt, ist gut
Dass sich kein Bauer freue.
Am Abend gibt’s neues Feuerholz
Für den Winter, der nicht kommt
Insekten sind jetzt ohne Zuhause
Die natürliche Symbiose verkommt.
Caput XXII · Übersicht · Caput XXIV
© Dominik Alexander / 2023