Caput XXVI
Den Arbeitskräftemangel spürt hier nur
Wer unterdurchschnittlich bezahlt
Wer Menschen bekommt, aber Sklaven will
Ist mittelmäßig verstrahlt.
So tret’ ich heut’ an zum neuen Dienst
Und lass’ alles auf mich wirken
Werd’ ich Sklave sein oder freier Künstler?
Draußen seh’ ich zwei Birken.
Die nur dort stehen, damit ich reimen kann
Im Büro hängt frische Luft
So wie der erste Tag hier verrann
Sind Eindrücke schnell verpufft.
Der Arbeitsvertrag ist unterzeichnet
Ich erkunde noch das große Büro
Die Arbeitszeiten werden erträglich sein
Doch werde ich hier froh?
Was ist schließlich das Konzept von Arbeit?
Selbstverwirklichung ist es nicht
Ich soll Geld verdienen und viel kaufen
Darauf bin ich nicht erpicht.
Auf dem Rückweg kehr’ ich zur Apotheke ein
Sie lockt mit Sonderangeboten
Denn wie ich erfahre, schließt die Filiale
Was sind denn das für Zoten?
Im Innenraum hängt Keramikkunst
Die hat ein Privatier gekauft
Für die Apotheke ist die Miete zu hoch
Der Kunstfreund sich die Haare rauft.
Bis zum Abend hält mein Missmut an
Dann besuch’ ich die Alten Meister
Zur ersten Vorstellung seit Corona
Und wecke damit alte Geister.
Es ist nicht mehr, wie es mal war
Mir fehlt die einstige Bindung
Das Jubiläum nehm’ ich noch mit
Danach beginnt meine Findung
Des Neuen, das noch unbekannt
Am Theater find’ ich es nicht
Die Themen sind mir fremd geworden
Ich suche ein helleres Licht
Das weniger dunkle Schatten zeigt
Uns nicht behandelt wie Kinder
Das Nachdenken noch zum Credo erhebt
Nicht wiederkäuen lässt wie Rinder.
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© Dominik Alexander / 2023