Sachsen. Ein Schauermärchen – Caput XXVIII

Caput XXVIII

So viel geschieht in dieser Welt
Ein Tag geht rasch vorüber
Im Zug nach Meißen seh’ ich Menschen
Doch diese sehen lieber

Was andernorts so vor sich geht
In ihren kleinen Kästen
Die heutzutage die Welt bedeuten
Niemand begnügt sich mit Resten.

Das Neue soll es stetig sein
Die Halbwertzeit verkürzt sich
Ich klage hier jedoch nicht an
Das Virus befällt auch mich.

Am Nachmittag besteig’ ich erst
Die S-Bahn Richtung Meißen
Im Zug zu sitzen ist nicht schön
Wenn viele mit mir reisen.

Die denken, sie seien der Nabel der Welt
Kinder und Hunde toben
Durch stickige Gänge wie im Flugzeug
Da gibt es nichts zu loben.

Die Eltern geben sich dennoch verzückt
Das Geschrei mag ich nicht sehr
So wird man direkt zum Kinderhasser
Mehr geben die Hirne nicht her.

In Meißen ärgern mich andere Dinge
Am Elbufer parken Panzer
Ihre Besitzer nennen sie verniedlichend Autos
Neidisch wär’ jeder Lanzer.

Ich lasse den Dom kurz hinter mir
Das Grüne ist zu verlockend
Unter Brücken hat sich die Jugend verewigt
Die Alten mit Graffiti schockend.

Sie machen Mist, wo Touristen gehen
In der klinisch sauberen Stadt
Ein stummer Schrei nach Aufmerksamkeit
Sie haben die Nazis satt.

Von denen es in Sachsen doch keine gibt
Glaubt man der Politik
Die ihrerseits erbost reagiert
Denn Wahrheit ist Kritik.

So kann ich das Ländliche nicht genießen
Alles wirkt eingestaubt
Was viele hier für Zuckerguss halten
Ist anderswo aufgeklaubt.

Hier leben die Menschen gerne im Gestern
Moderne Dinge sind willkommen
Doch Menschen sollen wieder gehen
Und ihre Ideen, genaugenommen.

Am Abend lauf’ ich durch enge Gassen
Die Glocke des Domes ruft
Die Gläubigen sitzen lieber beim Wein
Bei bratengeschwängertem Duft.


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        © Dominik Alexander / 2023

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