Nach dem großen Wasser roch es so schön nach Regen

Macht die Leinen los
Springt übern Kiel
Schmiedet das Eisen
Solange es feucht ist
Merkt euch genau
Wann es angebracht ist
Blöde Sprichworte zu erfinden
Und wann nicht —

Heute ist mal wieder ein Tag der Assoziationen. Was ich heute, also jetzt, schreibe, kommt mir gerade in den Sinn. Ich hinterfrage nichts, krame nicht nach den letzten Gedanken. Schrankenlos sollen die Worte sein. Geschrieben, getippt, nicht gedacht, mit Sinn verkleistert, sondern begeistert. Reime machen das Schreiben lesenswert.

Bedenkenlos in den Strom eintauchen
        Die Glieder strecken
Den Hals recken
                Dahin
Woher die Rufe schallen
                        Das Echo verfängt sich zwischen den Steinen
Dem Geäst
                                Dem Ufer
Dem weiten Wasser
                                        Weshalb muss ich jetzt nur denken an
Wolfgang Gasser?

Am Ende wollte ich nur einen Reim
Hab große Lust
Jetzt noch nach draußen zu gehen
Vorhin roch es nach
Dem großen Wasser
So schön nach Regen
Auch jetzt hängen die Wolken

Ganz tief gebückt stand die alte Frau vor ihrem Haus. Sie hatte sich so sehr auf die schönen bunten Blüten gefreut. Gestern Abend im Zwielicht, weit nach dem Sonnenuntergang, hatte sie noch auf die Knospen ihrer Tulpen, ihrer Gladiolen, ihrer Nelken, ihrer Rosen, ihrer wunderschönen roten und gelben Rosen, geschaut. Mit einem Lächeln war sie eingeschlafen. Morgen würden sie leuchten. Die Blüten. Ihre Augen. Noch einmal sich an ihnen freuen. Sie wusste, dass es ihr letzter Frühling war. Ihre letzten Blüten im eigenen kleinen Garten vor dem Haus an der Straße. Nicht ihr Lieblingsort. Aber ihre Lieblingsblumen.

Am nächsten Morgen stand die alte Frau bei ihren Blumen vor ihrem Haus. Doch ihre Blumen waren nur noch Stengel. Mit Dreck von Schuhen besudeltes Grün. Dort, wo gestern noch die vollen Knospen waren, klafften heute wie mit einem Messer geschnittene Stengellöcher.

Die Vögel schreien
        Sie schützen ihr Nest
Wollen den nicht bei sich haben
                Der viel größer ist
Was groß ist
                        Gehört nicht zu uns
Was nicht fliegt
                                Braucht festen Boden
Damit er nicht fällt
                                        Deshalb liegt das Nest auch geschützt
Wie hätten sie wissen können
                                                Dass er eine Leiter hat

Wie hätten sie wissen sollen
Dass er nur schauen will
Ob es da schon etwas gibt
Bei dem er helfen kann

                        Die Vögel schreien
Bis er seine Leiter genommen
                Sie weggetragen hat
Und sich auch
        Und dann die Tür
Hinter sich verschlossen.


        © Dominik Alexander / 2023

Thanks for sharing your thoughts!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.