Extreme Rechte

Die Hände sind schon wieder rissig
Die Temperaturen ein wenig bissig
Der Regen fällt, aber nicht sehr lange
Hier gibt’s kein Wetter von der Stange

Ich lass mich ein auf etwas neues
Und freu mich auf ein Ende ohne Reim
Denn reimend geht die Welt zugrunde
Zu dieser windgepeitschten Stunde
Gestern noch gedachten wir dem Pogrom
Doch morgen ist Karneval schon
Da kann sich Martin nur zerteilen
Nicht nur seinen Mantel
Viele müssen sich da schon beeilen
Dass sie Tränen vom Gesichte kratzen
Um wenig später Kamelle abzuschwatzen
Der alten Frau vor ihrer Türe
Da quietschen selbst die alten Scharniere
Vor kränklichem Ermattetsein
Das wird doch nicht schon wieder Corona sein?
Und wenn schon, kann’s uns nicht betreffen
Wenn wir nur mit Alkohol treffen
Die Zellen jeder noch lebenden Leber
Und abends schlachten wir den Eber
Wir brutzeln Fleisch, das wir dann fressen
Nur etwas weiter südlich gibt’s gar kein Essen
Fleisch brutzelt trotzdem – nur von Menschen
Muss ich Karneval eigentlich noch jemandem übersetzen?
Der Wohlstandsfraß ermüdet mich heut nur
Von Vorfreude seh ich keine Spur
Das Licht des Leidens wird nur lauter
Die Schmerzensschreie immer vertrauter
Extreme Rechte haben wir schon lang nicht mehr
Doch die Gesellschaft kümmert das nicht sehr
Ab morgen wird sie wieder Konfetti schmeißen
Und sich den Wohlstandsarsch aufreißen
Nach einem uniquen Kostüm
Um zu vergessen das Ungetüm
Das sich Krieg nennt
Und das der Deutsche liebend gern verpennt.


        © Dominik Alexander / 2023
        © 52Hertz (image)

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