Ich weiß noch ganz genau
Als ich die vielen Marienkäfer
Im Oktober
An meiner Fensterscheibe sah
Sie labten sich am Sonnenlicht
Am beinahe windstillen blauen Himmel
Da muss ich jetzt auch sein
Draußen
In diesen zwanzig Grad durch das herbstliche Rot und Gelb laufen
Viel war es ja nicht
Doch die Bäume gaben sich Mühe
Hatten viel zu lange davon geträumt
Dass dieser Sommer ewig dauerte
Dann gab’s mal etwas Regen
Sogar mal eine Nacht
In der das Thermometer ins Einstellige sank
Da erwachten auch die Bäume wieder
Schüttelten sich
Wussten
Jetzt muss das Färben also doch noch sein
Schluderten etwas hin
Damit es so aussah als ob
Muss ja alles seine Ordnung haben
Es war nichts zum Staunen
Erst recht nichts zum Posaunen
Doch hier und da konnte man doch bunte Haufen sehen
Und Kinder
Die hineinsprangen
Oder waren es doch eher die Erwachsenen
Die sich an früher erinnerten
Viele Blätter übersprangen das Rot
Wechselten von Grün über Nacht
Direkt zum Gelb
Sanken tags darauf braun zur Erde
Wurden vom Regen begossen
Hätten Papier werden können
Und blieben doch als Baummatsch tagelang am Straßenrand
Ich kenne mich mit dem Biorhythmus der Käfer nun nicht aus
Doch genau an diesem Tag
Saßen sie in großer Gruppe an meinem Fenster
Zuerst nur zwei
Zu denen sich sehr viele noch gesellten
Und dann noch mehr
Es war ein Kommen und Fliegen
Das ich bestaunte
Und ihnen irgendwann sagte
Wo ihr herkommt
Gibt es sicher noch sehr viele mehr
Da will ich hin
Sie antworteten mir nicht
Jedenfalls nicht so
Wie ich es hätte verstehen können
Minuten später streifte ich bereits durch den Großen Garten
Ich lief ein paar Wege die ich kannte
Am Teich vorbei
An der buckligen Eiche
An sehr viel gelbem Laub
Bog schließlich ein in unbekannte Pfade
Ich traf auf Borke und auf Stein
Und ja
Auch viele andere Marienkäfer
An diesem Mittwoich Nachmittag habe ich die Herbstluft eingeatmet
Zum ersten
Und zum letzten Mal
In diesem Jahr.
© Dominik Alexander / 2023
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