In der Früh hängt das Eis in der Luft
Es hat diesen ganz speziellen Duft
An sich
Der das Leben auch für Menschen
Zu einer Höhle macht
In der man Winterschlaf halten sollte
Und sich freuen am Denken —
Dennoch drängen sie schlafestrunken hinaus
Wie die Schwebeteilchen in der klaren Wintermorgensonne
Sinken sie wie in Zeitlupe
In den Stadtverkehr hinaus —
Sie kennen sich nicht mehr aus
Sind froh in der Bahn zu sitzen
Oder im Auto mit der immer gleichen monotonen
Navigationsstimme
Die immer weiß wo es hin geht
Ganz selbstbewusst trägt sie vor
An der nächsten Kreuzung rechts
In fünfhundert Metern links abbiegen
In vierhundert Metern
In dreihundert
Zweihundert
Hundert —
Das Büro ist viel zu warm geheizt und ohne Sauerstoff
Der Dunst von gestern steht
Die Essensreste stapeln sich im Geschirrspüler
Die Toilettenanlage streikt
Die Wasseranlage wird morgen gewartet
Jemand ruft an
Das Telefon funktioniert nur in eine Richtung —
Draußen scheint noch immer der gleiche blassblaue Himmel
Eine Luft wie hundert Mauern
Angeblich streiken gerade irgendwo Bauern
Klimaaktivisten demonstrieren nicht mehr fürs Klima
Sondern gegen die Bauern —
Währenddessen lauern
Die Blauen von Rechtsaußen
Auf weiteres Splittern und Selbstzersetzen
Auf Aufeinanderhetzen von Menschen
Die doch im Grunde auf der selben Seite stehen —
Müssen wir denn wie die Teilchen
Schweben im Unbestimmten
Können wir nicht aussprechen
Was sein soll
Was sein muss —
Können wir nicht?
© Dominik Alexander / 2024
© Tomislav Jakupec (image)