In den Blüten spiegelt sich das Antlitz der Welt

Ich bin heute über keine Wiese gegangen. Nur in Erinnerungen an eine wärmere Zeit. Diese Zeit kehrt wieder. Im Flieder erkennen wir die Menschenschwärme. Sie strecken ihre Finger aus wie Diebe. Und wo sie etwas greifen, geben sie es nie wieder her.

Die Schokolade aus Peru ist ein bitteres Leid. Neunundachtzig Prozent Kakao sind im Mund kaum auszuhalten. Daneben versteigt sich die Heizung im Lüftungsrausch. Und über meinem Kopf friert sich die soeben frisch gewaschene Wäsche ihren Hintern ab.

Auch die Blüten wollen gewaschen sein. Ihre Farben sind intensiv; der unweigerliche Regen spült sie fort oder auch nicht. Das kommt darauf an – ob Blüte oder nicht Blüte. Keine Frage, ich schreibe in Rätseln und habe meine liebe Not daran.

Samstage versteigen sich viel zu oft ins Wachkoma. Eine längere Nacht, um den verlorenen Schlaf der Woche nachzuholen. Bringt ja nichts. Haben Studien ergeben. Wird trotzdem gemacht. Und dann ist man eben den ganzen Tag schläfrig – vom viel zu langen Schlaf. Ist der Körper einfach nicht mehr gewöhnt. Die Psyche ebensowenig. Und schon wird aus wenigen nachgeholten Stunden ein verlorener Tag.

Haben wir das notwendig gehabt? Die Blüten? Die Schokolade? Den Dachboden? Wenn der Regen gleich beginnt, habe ich große Lust, nach draußen, ins Dunkel des Gartens zu gehen. Und mache es doch nicht. Bisher war die Lust nie so groß, um dafür den ersten Schritt zu gehen.

So viele ungegangene erste Schritte. Trotzdem kommen wir alle zum gleichen Ziel.

Wer lang genug in eine kleine Blüte schaut, erkennt darin die Welt. In einer kleinen Blüte liegt die Erkenntnis des Daseins und Nicht-Daseins. Nur erkennen wir beides nicht. Wir können nur sehen, ohne zu erkennen, weil wir nie nah genug sind, um die Details zu erkennen.

Das kann nur die Biene; und die verrät uns nichts.


        © Dominik Alexander / 2024
        © Annette Meyer (image)

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