Das blaue Licht

Er läuft mit Hunger durch die Straßen
Ihn begleitet das blaue Licht
Aus den Schaufenstern der verschlossenen Läden
Aus den Kneipen
Den Spelunken
Doch er schläft heute Nacht wieder nur in den Gräben
Die dunkel sind und nicht beleuchtet
Doch meist vom Flusswasser befeuchtet
Er will das Husten unterdrücken
Es wird ein Röcheln
Irgendwann muss er sich bücken
Nach dem Geldstück im blauen Licht
Er ist krank
Doch er fürchtet sich nicht
Er hat den Tod bereits geschmeckt
Anderntags am Pier
Er wollte nur einen Kanten Brot
Doch so manchen lässt die Gier
Alles Menschliche vergessen
Und so bekam er den Ellbogen des feinen Mannes
Gegen sein Kinn
Taumelte von Stufe zu Stufe
Nichts mehr kam ihm in den Sinn
Als das zu retten
Was ihm niemand nehmen kann
Ein Blick aufs blaue Licht
Wenn die Nacht bricht heran
Und er allein ist in der Stadt
Die ihn nur im Dunkel erträgt
Auch wenn die Gefahr steigt
Dass ihn ein Krimineller erschlägt
Tagsüber sind es die Feinen
In der Nacht die Groben
Die ihn bespucken und geloben
Später zu ihrem hohen Herrn
Dass sie nichts falsches getan
Wenn die Sonne gähnt
Und alles friedlich wähnt
Schickt sie ihre Finger zum Fluss
Wo sie sehen muss
Da schwimmt ein Mann im Wasser
Regungslos
Das blaue Licht sticht in sein Herz
Das blutleer und atemlos
Den letzten Schlag spürt
Als der Küster führt
Die Hand zur Uhr
Schlägt er sieben am Morgen
Ein neuer Tag beginnt
Zur trüben Stunde
Und auf die Sekunde
Weiß der Mann
Dass er gehen muss.


        © Dominik Alexander / 2024
        © Hulki Okan Tabak (image)

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