Spontane Begleitvegetation

Sie stehen am Rand
Laden niemanden ein
Lassen sich nicht einladen
Gedeihen vor sich hin

Oder streuen ihre Samen
Versuchen vom Rand wegzukommen
Vielleicht in die Masse hinein
Um in ihr unterzugehen
Und werden vom Wind getragen
Von allem weg
Was Schutz bietet
An einen anderen Rand
In eine andere Zeit
Ohne Erinnerung daran
Was war
Ohne viel Hoffnung
Etwas bewirken zu können
Doch es muss ja weitergehen
Würden sie denken
Wenn sie denken könnten
Auch so geht es weiter
Vielleicht sogar mit ihnen
Für eine gewisse Zeit
Doch sie leben ja im Jetzt
Dafür müssen sie nicht denken
Sondern immer nur agieren
Weniger noch
Immer nur reagieren
Reaktion auf etwas
Keinerlei Selbstinitiative
Wenn sie wenigstens fliegen könnten
Weiter als der Wind sie tragen kann
Doch dazu fehlen Kraft und Flügel
Spontan irgendwohin
Unmöglich
Und doch sind sie getrieben
Immer nur gestoßen
Vom ihnen Fremden
Das hier einheimisch ist
Doch irgendwann auch von woanders kam
Dazwischen liegt diese mystische Zeit
Mehr für den Legitimen
Weniger für den Illegitimen
Zeit ist ihr Unterschied
Sonst nichts
Vielleicht noch die tieferen Wurzeln
Doch zuweilen nicht einmal das
Ohne Nahrung geht es jedenfalls nicht
Weder vor noch zurück
Dann bleiben sie im Hier und Jetzt
Pressen sich noch ein paar Samen ab
Und können nur hoffen
Dass das zählt als Zeit
Wenigstens für die nächste Generation.


        © Dominik Alexander / 2024

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