einmal noch die hitze genießen

ich kann es nicht. wirklich. ich kann diese hitze einfach nicht hinter mich bringen. wenn ich am berg ein kurzes stück auf der straße fahren muss, befürchte ich nicht, dass mich gleich ein straßenpanzer in die nächste häuserwand drückt. ich erwarte es. doch nur einmal schiebt sich heute ein eher normal dimensionierter pkw hitzeaggressiv nahe an mir vorbei, um nicht mit dem gegenverkehr zu kollidieren, den er ob der kurvigen straße nicht hatte kommen sehen. die wenigen sekunden länger hinter mir auszuharren, bis er gefahrlos und mit abstand (vielleicht auch mit anstand) an mir vorbei kann, waren ihm nicht möglich. sonst hätte er noch das lenkrad zerbissen. oder bis zum anschlag die hupe malträtiert. das wiederum hätte mich erschreckt. vielleicht wäre ich dann sogar noch vom rad gefallen. da wäre aus mir eine schöne sauerei geworden. wenn ich es recht durchdenke, sollte ich ihm im nachhinein noch dankbar sein, dass er so schnell wie möglich an mir vorbeigezogen ist. maximale aggression; minimaler abstand; null anstand. mit all dem muss ein radfahrer stets rechnen. nimmt es in kauf. gewinnt so maximalen ruhepuls, selbst in unerträglichsten alltagssituationen. doch die äußere hitze, die ich nicht beeinflussen kann, setzt auch mir zu. trotz allem versuche ich wegzulächeln, dass alle flüssigkeit aus meinem körper auf den heiß dampfenden asphalt unter mir tropft. lediglich meiner gleichbleibenden geschwindigkeit am berg darf ich danken, dass sich die reifen meines rads nicht mit dem asphalt verbinden. wie genieße ich nun die sommerhitze? die schwülen blitze sind bereits vergangenheit und bringen nur unwesentlich kühle. man reißt die fenster auf. die warme luft sammelt sich unterm dach in meiner wohnung. dann schlägt ein blitz an der hauswand ein. ein kurzer dank an den erfinder des blitzableiters. dann schließe ich doch schnell wieder die fenster; in meiner wohnung ist es nun wärmer als zuvor. schwüler. stickiger. erst vor zehn minuten habe ich geduscht. doch das habe ich bereits fünf minuten danach schon wieder vergessen. noch mal unter das kühle wasser will ich nicht. immerhin ist wasser knapp. wenn man doch von sonnenhitze energie produzieren könnte. wenn doch so etwas wie e-pkw (wenn schon keine e-bikes) auf den straßen fahren könnten, damit sich die hitze auf dem asphalt nicht potenziert, auf die wiesen und in die wälder wandert und dort brände entfacht, die zur hitze auch noch ganz viel rauch entwickeln. nein, ich kann es nicht. wirklich gar nicht. mich mit dieser hitze anfreunden, von der stinkende pkw-fahrer behaupten, sie seien nicht schuld daran. oder schlimmer: diese hitze sei etwas zum genießen.


        © Dominik Alexander / 2026

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