Wir fühlen uns leicht
Denn wir hören zu
Den Abendgesängen
Den himmlischen Klängen
Wenn der Tag sich senkt
Mit den Grillen ins Gras —
Mit geschlossenen Augen
Öffnen sich Gedanken
Wir lassen los
Vermissen nichts
Ganz groß sind nur noch
Träume ums Nichts
Und um alles —
Dann denken wir plötzlich
An die vorige Nacht
Ans Wachwerden um kurz vor vier
Draußen ist es noch dunkel
Die Bauarbeiten haben noch nicht begonnen
Kein Blasendrang —
Was hat uns geweckt?
Es ist kein munteres Wachen
Nur so ein halbes Träumen
Schlafwandeln im Liegen
Doch das Bewusstsein hört
Schritte von Gegenüber
Das Herz schlägt bis zum Hals
Springt aus der Brust
Rennt durch das Schlafzimmer
Stürzt sich aus dem Fenster
Hastet um das Haus
Klopft wie wild
Klopft wie wild
An die Haustür
An die Wohnungstür —
Geräusche von Wasser
Wachendes Träumen
Träumendes Wachen
Warten auf Schritte
Warten darauf
Dass sich die Klinke
Nach unten drückt
Sich die Tür öffnet —
Das Herz hämmert sich
Das Blut aus den Wänden
Rationalisiere, Hirn
Bitte
Fasse endlich
Einen klaren Gedanken
Wach auf
Mensch
Wach auf
Nur für einen Moment —
Was ist
Wenn
Das Geräusch
Das mich dem Traum entriss
Das gewaltsame Öffnen der Wohnungstür war?
Benutzen Einbrecher zuerst
Meine Toilette?
Das Herz schlägt noch lange
Irgendwann habe ich wieder
Ein Zeitgefühl
Merke
Die Schlafzimmertür
Öffnet sich nicht
Da ist niemand
Bei mir im Raum
Das Herz sammelt sich früher
Als mein Verstand —
Was waren diese Geräusche?
Vom Dachboden?
Um diese Zeit?
Aus der Wohnung unter mir?
Da wohnen ältere Leute
Könnte schon sein —
Dann beruhigt sich das Herz
Schlägt so
Dass ich es nicht mehr höre
Und danach lauschen kann
Ob da doch noch etwas ist —
Wovon bin ich wach geworden?
Dann falle ich wieder
In einen traumlosen Schlaf
Wache auf
Als die Sonne hell am Himmel steht
Die Bauarbeiten sind in vollem Gange —
Heute Abend
Keine Krimilektüre mehr
Vor dem Einschlafen.
© Dominik Alexander / 2023