In der Nähe des Großen Gartens höre ich schon die Wölfe heulen. Höre nicht so genau hin; nimm nicht jedes Wort so, wie es geschrieben steht. Denn die Wölfe sind der Wind, der durch die Häuserschluchten fegt. Er entblättert die am Wegesrand geparkten Autos; er fegt die letzten gelben Blätter von den Bäumen. Die Zäune eine Kreuzung weiter winden sich unter der Kraft der Nacht.
Die Wölfe rütteln am Stromnetz. Sie nagen an den losen Kabeln, die aus dem Erdreich ragen. Stromschläge müssen sie nicht fürchten, denn sie sind eins mit dem Element.
Die Winde heulen, während die Wölfe sich plagen. Ruhen die Wölfe für einen Moment, lassen auch die Winde nach. Und ziehen die Wölfe weiter, folgen ihnen die Winde in rhythmischen Böen.
Hier ist nun kein Licht mehr. Doch weiter entfernt leuchtet schon ein Stern. Ich sehe ihn ganz nah am Boden. Sein Licht ist blau und leuchtet matt. Er hat fünfundzwanzig Zacken: das Abbild eines Sterns, wie ihn sich nur der Mensch ausdenken kann. Das Abbild beruht auf Beugungseffekten und Interferenzen auf den Fotografien der weit entfernten Sterne, deren Planeten nie ein Mensch besuchen wird. Doch auch auf den Gemälden der Alten Meister gab es Strahlensterne. Waren es wirklich Sterne, was sie gesehen haben? Entstammten sie ihren Träumen? Oder ihren Alpträumen?
Das blaue Licht verschwimmt mit dem Heulen in der Nacht. Die Wölfe sind weitergezogen. Sie hinterlassen blitzende Kabelenden und wispernde Straßen. Morgen früh wird wieder alles so sein wie am Tag zuvor, am Tag davor und wie jeden Tag vor diesem Tag. Doch das Heulen wird lauter, das Licht immer blasser, und wer weiß: Eines Tages liegen uns vielleicht alle Sterne zu Füßen.
© Dominik Alexander / 2023
© Agnes (image)