Negativer Naturzustand

Heute will ich einfach mal nicht klagen. Es gäbe natürlich vieles, das beklagenswert wäre. Ändern lässt es sich dennoch nicht. Jedenfalls nicht das große Weltgeschehen, das uns geradezu übermannt. Oder wie man heute sagen würde: überfraut. Ich schreibe nur: feministische Außenpolitik. Worin unterscheidet sie sich zu…

Nein, ich will heute nicht klagen. Will mir heute einfach nur ein paar Buchstaben schenken und sie so zusammenfügen, wie es mir gefällt. Wie es mir gefällt kann egoistisch klingen. In jedem Fall suggeriert es Wohlwollen bis hin zur Glückseligkeit bei demjenigen, dem scheinbar gefällt. Bei diesem Gedanken spüre ich mein Denken bereits schon wieder kippen.

Nicht klagen! Nichts bekritteln! Weshalb ist das nur so schwer? Haben wir uns daran gewöhnt, immer nur Negatives in die Welt hinauszuschreien? Und Positives schlicht als Naturzustand hinzunehmen? Dabei ist der Naturzustand doch gerade das Gegenteil. Naturzustand ist Krieg. Der Fortschritt dessen: die friedliche Gemeinschaft. Wirkungsvolle Koexistenz. Geben und Nehmen. Hilfe suchend; Hilfe schenkend.

Wo ist dieses irdische Paradies? Wahrscheinlich nur in unseren Köpfen. Letztlich sitzen wir noch immer in Platons Höhle und glotzen die Schatten an, sie für das Wirkliche haltend.

Nein, der Mensch an sich hat sich nicht geändert. Es sind nur die Umstände, in denen er lebt, die andere und anders sind.

Dennoch will ich die Buchstaben heute Nacht einfach nur mal tanzen lassen. Gerne auch auf meiner Nase herum. Einfach nur passiv dasitzen und die Buchstaben machen lassen, sich zu Wörtern formen, zu Sätzen, zu einem kleinen Gedicht. Also sitze ich und schaue, bis die Buchstaben folgendes vor mir entstehen lassen:

Du bist ein Grashalm im Wind
Genieße die unsichtbare Luft
Erfrische dich am Tau
Tanze mit dem Wind in den Tag
Lass dich nur nicht verbiegen.


        © Dominik Alexander / 2024
        © Susann Mielke (image)

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